Infos zwischen den Tischen

Als Servierkraft kriegt man ja so einiges mit. Zwischen den Tischen bekommt man, ohne extra wo hinhorchen zu müssen, Wörter, Sätze und Stimmungen mit. Und weil ich vier Wochen lang in einem Haus mit einer Filiale einer Möbelgroßhandelskette gearbeitet habe, konnte ich gar nicht anders, als das eine oder andere Detail aus dem dortigen Arbeitsalltag mitzubekommen. Es darf da zum Beispiel keinen Betriebsrat geben, Angestellte werden unter unterschwelliger Kündigungsdrohung genötigt, unzumutbare Arbeitsverträge „freiwillig“ zu unterschreiben,  Überstunden, die für die Inventur gemacht werden müssen, werden nicht ausbezahlt und können auch nicht abgebaut werden und ein Geschäftsführer droht AutofahrerInnen, die ihren PKW auf dem Parkplatz abstellen, ohne im Möbelhaus einzukaufen damit, dass sie abgeschleppt werden, obwohl er dazu rechtlich keine Handhabe hat.  Unfaire und arrogante Machtausübung auf dem Rücken praktisch wehrloser ArbeitnehmerInnen nützt der Wirtschaft auf die Dauer gar nichts und macht die Menschen kaputt.

Und jetzt kiefel ich an einem Plan, wie die Politik und ich als Politikerin – z.B. auch in diesem Fall ganz konkret in Eisenstadt – etwas gegen diese Missstände tun kann. Mir kommt da schon eine Idee….

Kritik, die rettet

„Jetzt hab ich dich gerettet“, sagte der Koch, als er mich Kraft seiner Erfahrung auf einen Fehler in einer von mir nicht ganz korrekt aufgenommenen Bestellung aufmerksam machte.  Der Gast wäre (mit mir) nicht zufrieden gewesen, hätte ich ihm die falsche Beilage zu seinem Hendlgeschnetzelten gebracht.
In den letzten Tagen habe ich immer wieder Kritik einstecken müssen. Das ist mitunter unangenehm. Ich mache nicht gerne Fehler und werde noch weniger gerne dabei ertappt.  Und doch bin ich für jedes Ertapptwerden letztlich dankbar. Denn nur dann ist es mir möglich, aus meinen Fehlern zu lernen und es das nächstmal besser zu machen. Obwohl es schon hart ist für alle AnfängerInnen – und ich denke hier vor allem an die Lehrlinge, die es in ihren ersten Ausbildungswochen und -monaten aushalten müssen, dauernd Kritik und Korrekturen einzustecken. Die haben es echt nicht leicht. Besonders dann, wenn die Kritik auch noch in einem deutlich genervten Tonfall ankommt, weil die Routiniers es so schwer aushalten, dass da jemand so unzulänglich ist und unter Umständen auch mal den Betrieb aufhält. (Nein, mein Chefkoch ist damit jetzt nicht gemeint. Da sei nur gesagt, damit kein Missverständnis entsteht.)

So ist mein heutiger Blogeintrag all den Anfängerinnen und Anfängern gewidmet, die  lernen müssen ihren Ärger und ihre Scham über die gemachten Fehler und das Ertapptwerden auszuhalten. Und er ist auch den „AusbildnerInnen“ und Routiniers in den Betrieben gewidmet, die mit Geduld Lernen und Entwicklung der Neuen möglich machen. Ihre wohlwollend geäußerte Kritik wird uns Lernende immer wieder retten.

 

Wahrgenommen wird, wer kassiert

Ich frage mich seit einiger Zeit, warum sich’s die Medien immer so auf das Bild „Petrik als Supermaktkassiererin“ stehen und warum die Kassierin zum Sinnbild für Niedriglohn geworden ist. In meinem jetzigen Job fällt mir auf, dass ich als Servierkraft hohe Aufmerksamtkeit genieße und sich Gäste besonders freuen, wenn ich auch kassieren komme.  Das könnte zur Schlussfolgerung führen, dass im Handel und in der Gastronomie jene Arbeitsnehmerinnen mehr Aufmerksamkeit genießen, mit denen KundInnen und Gäste ihr Geschäft letztlich abschließen. Wer das Geld in die Hand nimmt, ist eben interessanter als diejenigen, die die „Vorarbeit“ für den Geschäftsabschluss leisten. Das ist die eine Erklärung.

Ich erinnere mich gut an die Erfahrung, als ich beim Merkur in der Obst- und Gemüsekoje stand und mit den Kolleginnen Gemüse geschnitten, Obst gepresst und Ware etikerttiert habe. Wir standen die ganze Zeit in der Auslage. Es gab keine Möglichkeit, sich einmal eine Minute hinzusetzen. Jeder Handgriff, den wir dort taten, konnte von den KundInnen beobachtet werden. Allein, wir als arbeitende Personen schienen kaum jemandem aufzufallen. Die Einkaufenden sind so darauf konzentriert, ihre Waren auszusuchen, dass sie, vor uns stehend, uns gar nicht wahrgenommen haben. Niemand musste uns ins Gesicht schauen, um seinen Obstsalat, die soeben abgepackte Gemüsemischung oder den frisch gepressten Fruchtsaft zu finden. Wir waren zu 100% anwesend und sichtbar und wurden doch meist übersehen. Etliche Bekannte sind in diesen Tagen an mir vorbeigegangen und haben mir später erzählt, sie wären einkaufen gewesen und hätten mich nirgendwo gesehen.

In der Erinnerung an diese Szenen habe ich eine andere Erklärung dafür gefunden, warum eine Unmenge an Tätigkeiten im Arbeitsprozess, warum viele Arbeitende nicht wahrgenommen werden. Es ist vielleicht nicht der Kontakt mit Geld, der einen bemerkbar macht, es ist der perönliche Kontakt. Im Supermarkt ist man an der Kassa genötigt, mit der Kassiererin in Kommuniokation zu treten. Sogar bei der Wurst und im Backshop kann einE KundIn sich bedienen lassen, ohne der Bedienenden in die Augen zu schauen. Bei der Kasse ist der Sichtkontakt unausweichlich. Es gibt immer den Augenblick des ganz individuellen Kontakts. Und hier wird eine Person als arbeitend wahrgenommen. Auch beim Servieren und Kassieren bin ich deutlich sichtbar. Aber die Kollegin, die die Teller wäscht, ist für niemanden sichtbar. Aber es gibt sie auch.

Auch in der Politik sind wir mit der Frage der Sichtbarkeit konfrontiert. Sieht man jemanden oft, dann wird ihm oder ihr zugeschrieben, er oder sie würde viel arbeiten. Arbeitet jemanden im Hintergrund, zum Beispiel in der Recherche oder beim Ausarbeiten neuer Konzepte und Gesetzesvorschläge, in Verhandlungen oder Gesprächen mit Organisationen der Zivigesellschaft, dann ist diese Arbeit nicht sichtbar. Ob jemand gesehen wird oder nicht sagt noch nichts, aber so überhaupt nichts darüber aus, wieviel diese Person arbeitet oder gar, welchen Wert die Arbeit dieser Person hat.  ´Das gilt für die Politik, für den Handel, für die Gastronomie und für die meisten anderen Arbeitsfelder. Ich will mir das immer wieder bewusst machen. Es ist eine Sache der Fairness.

Über Gäste spricht man nicht

Also, G’schichterln hätte ich jetzt schon etliche zu erzählen. Einige Gäste reden ja recht gerne mit mir. Zum einen kann ich mir in der Hektik des Bestellungen Aufnehmens, Bonierens (= Bestellungen elektronisch erfassen), Getränke Herrichtens, Servierens, Abrechnens und Tisch wieder schön Machens vieles gar nicht merken und habe bis zum Abend, wenn ich dann am Computer sitze, zwei Drittel schon wieder vergessen. Zum anderen kann ich das einfach aus meinem Berufsethos heraus nicht tun. Als Beruf meine ich jetzt die Tätigkeit als Kellnerin, nicht die Politik. Die ist ja zur Zeit nicht mein Beruf.  Wenn ich hier schildere, wie das so ist mit jenen, die auf Firmenrechnung gut essen und sich bei einem Betrag von € 81,50 auf € 83,00 herausgeben lassen, wobei der Clou auch darin besteht, von welcher „Firma“ sie kommen, dann verrate ich diese Leute ja förmlich. Alle BlogleserInnen aus Eisenstadt und Umgebung könnten die geschilderten Personen sofort identifizieren. Aber das sind eben unsere Gäste und die sollen ohne Angst, sich am nächsten Tag auf meinem Blog wiederzufinden, ihr Essen im Bistro genießen können. Wenn ich von dem für mich fast rührenden Gespräch mit zwei pensionierten Wirtschaftstreibenden erzähle, dann braucht es nur ein weiteres Detail und ich verrate, wer es war – das kann ich diesen netten Männern doch nicht antun! Und, wie bereits unlängst erwähnt, ich arbeite hier als Kellnerin und nicht als Journalistin. Also: Keine Erlebnisse mit Gästen oder Bomots von KollegInnen.  Es wäre nicht fair. Obwohl einiges schon sehr nett wäre …. Aber das erlebt man eben nur, wenn man diese Arbeit selbst macht.

Nur so weit: Wenn diejenigen, die mir gegenüber in den letzten Wochen ihre Bewunderung und Hochachtung für das, was ich gerade tue, ausgedrückt haben, mich in einem Jahr auch wählen würden, dann hätten die Grünen im Burgenland das zweite Mandat schon fast in der Tasche. Aber es ist mir schmerzlich bewusst, dass es ein langer, manchmal unüberwindbarer Weg vom Gutheißen des Handelns einer Politikerin bis zum Kreuzerl für ebendiese ist. Da hätte ich dann doch lieber  weniger Bewunderungsbezeugungen und mehr X auf den Stimmzetteln.

Heute renne ich zwischen den Tischen und der Bar hin und her. In einem Jahr werde ich um jede Stimme rennen müssen. Und wenn ich viel Glück habe, dann rennt der eine oder die andere „So soll Politik gemacht werden“-Verbalschulterklopferer irgendwann einmal mit. Weil sie selbst wirklich wollen, dass mit dieser Haltung Politik gemacht wird und weil sie erkennen, dass ich das nicht ohne ihre Hilfe schaffen werde.

Mahlzeit!

Für die Mittagsplanung der kommenden Woche im Raum Eisenstadt: Ich serviere montags, dienstags und freitags in Stefans Bistro.

Mittwochs und donnerstags bin ich als Grüne Landessprecherin für die EU-Wahl  unterwegs. Samstags bin ich wieder im Cateringdienst eingeteilt.

 

In der Küche ist der Koch der Chef

Wer welchen Handgriff in der Küche macht, teilt der Chefkoch ein und er beurteilt, ob die Handgriffe richtig gemacht werden. Die Lokalchefin respektiert das, weil sie weiß, dass auf diese Weise in der Küche alles funktioniert. Draußen, im Service, sagt die Chefin, was gilt und welche Handlungen Priorität haben. Und dann gibt es wieder Bereiche, in denen jedeR MitarbeiterIn selbst entscheidet, was gerade zu tun ist. Außer in der Küche. Da bestimmt der Koch.

Diese Erfahrungen erinnern mich an einen Projektmanagement-Lehrgang, den ich absolviert habe. Da gab es einen Projekttag, an dem die Lehrgangsgruppe die Aufgabe hatte, ein dreigängiges Menü für ein feines Essen zu bereiten. Wir mussten als Gruppe von Beginn an alles selbst organisieren: Menüplan, Einkauf, Kochabläufe, Tischaufstellung, Dekoration,  Abwasch etc. Ich galt in dieser Gruppe eher als „Führungspersönlichkeit“. Ich brachte im Laufe des Lehrgangs oft Vorschläge ein, ergriff das Wort in Diskussionen, wurde initiativ, wenn es Probleme zu lösen galt. (Manchen vielleicht etwas zu initiativ, aber das ist eine andere Geschichte.) Am Kochtag war das anders. Bei der ersten Planungsrunde war ich noch gestalterisch unterwegs, aber je konkreter es an die Kochabläufe ging, desto angepasster wurde ich. Sobald wir uns in der Küche befanden, erfüllte ich nur mehr Aufträge – und das sehr gerne, weil ich im Kochen nicht meine Stärke sah. Eigeninitiativ war ich, wenn der Boden verpickt war oder Schnittreste herumlagen. Dann wischte und putzte ich schnell, damit die anderen mit ihren Kochkünsten gut weitermachen konnten. Beides übernahm ich je nach Situation gerne: die Rolle der gestaltenden, initiativen, beeinflussenden Führungsperson und die Position der Aufträge ausfüllenden, hinterher putzenen, „untergeordneten“ Hilfskraft.

Heute, als ich wieder einmal vom Koch in einer bestimmten Handlung Anweisungen bekam, kam mir Gedanke, dass vielleicht auch darin ein Schlüssel dazu liegt, wie wir gute Politik machen könnten: zwischen den verschiedenen Rollen und Funktionen zu switchen. Auch politische Organisationen und Gremien, auch Landtage und Regierungen sollten in ihrer Rollenaufteilung nicht starr sein. Um es pointiert ausdrückend: Hier die Bestimmenden und da die untertänigen MitläuferInnen. Hier ein starker Mann oder eine starke Frau, die einfordert, dass letztlich alles so geschieht, wie sie oder er es gebietet und da die ZuträgerInnen, HandheberInnen und UnterlagenbringerInnen. Alle müssen mehrere Rollen spielen, mehrere Funktionen erfüllen können, damit das System nicht starr wird.

In einer Ausbildung in psychoanalytischer Organisationsbeobachtung lernte ich, dass nur jemand gut führen kann, wenn er/sie sich auch selbst gut führen lassen kann.  Ich lege das mal auch auf die Politik um. Möglicherweise kann nur dann jemand gut für Menschen politische Entscheidungen treffen, wenn er oder sie sich von diesen Menschen in anderen Situationen etwas sagen lassen und deren Entscheidungen akzeptieren kann. Und vielleicht ist es darum für leitende, gestaltende, entscheidene Personen wichtig, sich immer wieder in Situationen zu begeben, in denen sie einfach das tun müssen, was eine/e andere/r für sie entschieden hat. Und das dann selbstverständlicherweise akzeptieren und tun.

Politische Fortbildung hat ihren Preis

Heute war ein Tag, an dem viele Gäste im Bistro Anmerkungen zu meiner aktuellen Jobtour angebracht haben.  Immer wieder kommt die Frage nach dem Geld. Und gerade in Bezug auf die ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sozialbereich und in der Pflege, aber auch in Bezug auf die schlecht bezahlten (Halbtags-)Jobs werde ich gefragt: „Wenn Sie von der Partei jetzt kein Geld bekommen, wovon leben Sie denn dann? Sind der Aufwand und der finanzielle Verzicht nicht sehr groß dafür?“

Für mich ist dieses Jahr ein Jahr der Fortbildung für politische Arbeit. Fortbildung kostet etwas.  Natürlich hätte ich es ganz konventionell angehen können und das tun,  was andere PolitikerInnen auch tun (womit man ja auch durchaus Erfolg haben kann). Das ergäbe zum Beispiel folgende Investitionen (aus realen Angeboten zusammengestellt):

– Lehrgang in „Führung, Politik und Management“: € 12.000,-
– NLP-Kurse (hat bei M. Strolz gut geklappt!):             €   1.800,-
– 1 Woche „Verhandlungen führen“ :                                  €   1.200,-
– 2 Tage „Wie vermarkte ich mich richtig?“:                     €   1.190,-
– 2 Tage „Überzeugen und manipulieren“:                       €   1.420,-
– 2 Tage „Reden mitreißend gestalten“:                             €      920,-
– 2 Tage „Überzeugen mit Persönlichkeit“:                      €  1.490,-

Macht in Summe an Weiterbildungskosten €  20.020,-.
Dazu kommen Aufenthalts- und Verpflegungskosten in diversen Seminarhotels sowie die Fahrtkosten.

Durch das Zurücklegen der Landesgeschäftsführung entgehen mir im Jahr 2014 ca. € 21.000,- an Einnahmen.  Das ist die Investition in meine Art der Fortbildung.
Ich übe weniger Theorie, Kommunikationstechniken, überzeugen, beeinflussen, manipulieren, verhandeln, mitreißen. Das ist sicher auch wichtig (naja, das Manipulieren will ich gar nicht üben, das passt nicht zu meinem Verständnis von Demokratie).  Ich übe dafür mehr Praxis, Arbeitstechniken, einschulen lassen, mich korrigieren lassen, immer schauen, wo ich grad gebraucht werde, bedienen, pflegen, sauber machen, mit wenig Geld auskommen, pendeln. Tag für Tag. Hautnah.

Ich will hier keine Politidylle zeichnen, in der man nur ein guter Mensch zu sein braucht, um die passenden Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden und die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen. Politik ist ein hartes, anstrengendes Geschäft, das viele Kompetenzen erfordert. Ich will nur zeigen, dass das, was ich in meinem „Lehrjahr“ mache, ebenso Einschulungs- und Fortbildungswert für die Landespolitik hat wie all die großartigen Seminare, Lehrgänge und Workshops. Das Interessante für mich ist, dass es kaum jemanden verwundern würden, wenn ich in diesem Jahr die oben errechneten 21.000 Euro ausgeben würde. Auf ebenso viel als Einnahmen zu verzichten, um die Möglichkeit zu haben, sich Alltagskompetenzen für das Arbeiten als Politikerin anzueignen, irritiert jedoch viele.

 

Ich habe einige enttäuscht

Am Ende meines Angestellten-Daseins bei MERKUR ist es nicht mehr zu übersehen: Ich habe einige Blog-LeserInnen ziemlich enttäuscht. Ihnen fehlt die umfassende Konzernkritik, das Aufdecken von Missständen im REWE-Konzern und das Anprangern von bedenklichen Arbeitsverhältnissen im Handel. Sie haben sich erwartet, dass ich jede Woche mit der neuen Aufdeck-Geschichte aufwarten werde und es „denen dort oben“ so richtig-  öffentlich ! – reinsage. Das habe ich nicht getan.  Das hat folgende Gründe:

Zum ersten habe ich mein „Lehrjahr“ deklarierterweise als interessierte, neugierige Arbeitnehmerin angetreten, die genau diese Perspektive am eigenen Leib erleben möchte. Ich habe meinen potentiellen ArbeitsgeberInnen zugesagt – und auch das habe ich von Beginn an öffentlich deklariert, dass ich ihnen nicht medial in den Rücken fallen werde, sollten sie mir die Möglichkeit des monatigen Arbeitens in ihrem Betrieb ermöglichen. Ich stehe zu dem, was ich sage und bei mir kann man sich darauf verlassen, dass ich das, was ich sage, auch mache. Und daran möchte ich auch in Zukunft nichts ändern, nur um eventuell noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zum zweiten bin ich eben ein politischer Mensch und möchte gestalten und verändern. Also habe ich das, was mir im Laufe meiner Tätigkeit in einer MERKUR-Filiale aufgefallen ist, meine Fragen und Überlegungen direkt mit dem Marktleiter besprochen. Er ist es ja, der Veränderungen in die Wege leiten kann. Und siehe da, er hatte großes Interesse daran und suchte von sich aus das regelmäßige Gespräch darüber mit mir. Ich bin überzeugt davon, dass diese Vorgangsweise für die betroffenen Angestellten mehr bringt, als die Liste meiner Beobachtungen im Blog zu veröffentlichen und damit den Marktleiter in eine Verteidigungposition zu bringen. Diese Überzeugung hat sich übrigens in Einzelfällen schon bestätigt.  Ich bin Politikerin, ich will Veränderungen intiieren, Ungerechtigkeiten aus der Welt schaffen und Dinge zum Besseren gestalten. Ginge es mir nur ums Aufdecken, wäre ich Journalistin geworden geworden.

Zum dritten gibt es Ungerechtigkeiten und Unsinnigkeiten im System. Der Adressat für diese Erkenntnisse ist der Konzern. Und auch hier habe ich beispielsweise mit einem MERKUR-Vorstandsmitglied direkt gesprochen, weil nur das echte Veränderungen ermöglicht. Anders ist es mit den Systemveränderungen, die von der Politik gestaltet werden müssen, wie Mindestlohn, Überstundenbesteuerung, Arbeitszeitgesetz, Müllverordnungen, Verhinderung von Nahrungsmittelvernichtung usw. Dazu äußere ich mich öffentlich und hoffe, dass das redaktionell aufgenommen, verbreitet und zitiert wird. Und natürlich bringe ich das im Rahmen meiner Möglichkeiten in den politischen Diskurs und in Verhandlungen ein.

Ein wesentlicher Punkt meines Lehrjahrs ist aber, dass ich unter anderem aus meiner früheren beruflichen Tätigkeit (Supervision, Organisationsbeobachtung, pädagogische Beratung, Bildungsarbeit) weiß, dass man aus der Erfahrung des selbst Erlebten heraus anders arbeitet. In meinen Fall, dass ich anders Politik mache, als all jene, die sich seit Jahren und Jahrzehnten ausschließlich auf dem politischen Parkett bewegen, die nahezu ihr gesamtes Leben innerhalb einer (Partei-) politischen Blase verbringen und die Arbeitswelt der anderen nur mehr von Fototerminen und Polit-Smalltalks kennen.

Jetzt mögen etliche einwenden, dass es naiv sei, mit so einer Haltung WählerInnenstimmen zu bekommen, und natürlich geht es auch darum. Denn ich werde in der Politik nur dann mehr Einfluss bekommen, wenn ich auch ein gutes Wahlergebnis einfahre und die Grünen im Burgenland bei der kommenden Landtagswahl an Stimmen ordentlichen zulegen können. Jene bitte ich zu überlegen, ob es nicht auch möglich wäre, dass WählerInnen eben genau das gefällt: dass da eine  „Politik von unten“, macht, aus dem Alltag heraus und aufgrund des über Monate hin gestalteten, wirklich persönlichen Kontakts mit „ganz normalen Menschen“. Mag sein, dass das auch ein wenig naiv ist. Wenn ich mir aber das Gehabe und Getue auf dem hohen Politparkett im Burgenland anschaue, dann wäre ein Hauch dieser Art von Naivität doch schon höchst notwendig und erfrischend, oder?