Mein Wein ist nicht nur BIO, sondern auch FAIR

Ich helfe ja zur Zeit nicht nur in einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit, ich trinke auch gerne den Wein der Familie Klampfer. Das hat drei Gründe:
1. Er schmeckt mir.
2. Er ist aus biologischer Landwirtschaft.
3. Er ist fair erzeugt.

Diese Qualifizierung kam mir in den Sinn, als ich mit einer Tochter der Familie beim Weinlesen über die sich anbietenden  HelferInnen aus dem Freundeskreis gesprochen habe.  Ich hatte ja gedacht, dass ein Betrieb, der finanziell wahrlich nicht auf die Butterseite gefallen ist, jede Hilfe aus dem Freundeskreis freudig annimmt. Aber ich habe mich geirrt. Dass solche Unterstützungsangebote letztlich meist unverbindlich bleiben und schwer auf das Wetter abzustimmen sind,  habe ich in diesem Gespräch ebenso kapiert wie etwas Weiteres:  Viele freiwillige LeserInnen verkürzen die Arbeitszeit für alle. Man könnte meinen, die Weinbauern sind dann froh, weil sie sich auf diese Weise Lohnkosten ersparen. Aber die Klampfers sehen das anders. Sie wissen, dass ihre ErntehelferInnen auf ein gewisses Einkommen angewiesen sind, um ihre Existenz sichern zu können. Wenn die Arbeit also schneller erledigt ist, bekommen sie folglich weniger Lohn.  Unbezahlte Arbeitskräfte im Weingarten schmälern also das Einkommen der jederzeit zur Verfügung stehenden bezahlten Arbeitskräfte. So sehr jeder Euro umgedreht werden muss, so wenig wollen die Klampfers ihre ErntehelferInnen, die auch außerhalb der Lesezeiten immer wieder in der Kellerarbeit einsatzbereit sind, finanziell in einen Nachteil kommen lassen. Sie sollen sich auf ein gewisses Maß an bezahlter Arbeitszeit verlassen können.

Diese Haltung imponiert mir. Und darum sage ich, dass mein Bio-Wein für mich das Qualitätssiegel „fair produziert“ hat.

Man kann den Bio-fair-Wein übrigens auch übers Internet bestellen: http://www.biohof-klampfer.at/weinladen/
Vielleicht übernehme ich ja mal in den nächsten Tagen eine Auslieferung 😉

 

 

 

 

 

Absolute Freiheit und unaufhörliche Abhängigkeit

Als ich heute bei einer Veranstaltung wieder im Regen stand, machte ich mir nicht um die zu nehmende Feuchtigkeit meiner Kleidung Sorgen. Ich fürchtete um die Weinlese und dachte an die wirtschaftlich verheerenden Folgen für die Landwirtschaft. Äcker stehen unter Wasser, Paradeiser verfaulen und die Trauben können nun wirklich keinen Regen mehr vertragen. Es ist zum Weinen. Die für morgen geplante Weinlese fällt im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser. In diesen Tagen ist mir die Abhängigkeit  jener, die von der Landwirtschaft leben, besonders schmerzlich bewusst. Gerade die kleinen Familienbetriebe, die Ausfälle nicht durch andere Geschäftszweige ausgleichen können, sind mitunter in ihrer Existenz bedroht.

Andererseits schwärmen Bauern und Bäuerinnen von der Freiheit, die sie in ihrem Beruf haben. Da steht niemand über ihnen, der ihnen Stress macht oder mit dem ein freier Tag auszuhandeln ist. Da wird selbst entschieden, worin investiert wird und welche KundInnen man persönlich und intensiv betreut (und welche man auch mal ziehen lässt).  „Eigentlich hat man als Bauer oder Bäuerin ja nur einen unantastbaren Vorgesetzen: das Wetter“, drückt es meine aktuelle „Chefin“ auf einem unterhaltsamen Blog aus (http://www.biohof-klampfer.at/wir/blog/), ohne zu vergessen darauf hinzuweisen, dass es da auch noch Abhängigkeiten von Kreditgebern und der AMA gibt. Aber diesen widme ich mich mal extra, das würde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen.

Eines ist jedenfalls klar: Die Ziegen müssen jeden Tag gemolken werden, da hört sich die Freiheit auf. Also werde ich morgen wieder um 5.30 Uhr im Stall stehen. Dafür habe ich auch die Freiheit, zum Frühstück mit meiner Tochter nach Hause zu gehen. Quasi nass, aber frei.

Politikverdrossene Jugend?

Was ich in diesen Monaten so sehr genieße, ist der persönliche und unmittelbare Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen. Manche von ihnen beeindrucken mich besonders.

Da ist zum Beispiel eine 16-Jährige, die von klimafreundlicher Landwirtschaft  mehr versteht als die meisten Erwachsenen und die sich eigenständig über die politischen Zusammenhänge informiert, noch bevor sie selbst mitwählen darf. Die sich vornimmt, sich von einem Lehrlingseinkommen möglichst biologisch zu ernähren und einen nachhaltigen Lebensstil zu gestalten. Es wird wohl knapp werden mit den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen – aber sie versucht es. Ich habe große Hochachtung vor ihr.

Und da ist eine 13-Jährige, die bei einem Gewinnspiel mitmacht, bei dem man sich am Grünen Messestand aussuchen kann, ob man das neue Kochbuch von Rudi Anschober oder jenes mit dem Titel „Das grüne Wirtschaftswunder“ gewinnen möchte, oder doch lieber „Supermarkt Europa“ von Michel Reimon und Robert Misik.  Die Mutter möchte das Kochbuch, die Tochter interessiert sich mehr für das Wirtschaftswunder. Nachdem ich anbiete, zwei Gewinnkarten auszufüllen, überlegt sie nochmal, weil eigentlich will sie „Supermarkt Europa“ auch lesen. Nein, das war kein Tippfehler, das Mädchen ist 13 Jahre alt und ich schicke ihr jetzt den gewünschten Lesestoff außer Konkurrenz mit der Post, denn ich bin einfach beeindruckt von diesem neu-gierigen Interesse.

Oder der 14-Jährige, der mit mir über den Nah-Ost-Konflikt diskutieren will und mir zwischendurch immer wieder mal eine sms schickt, um sich mit mir über politische Fragen auszutauschen.
Und da wäre auch noch der 18-Jährige, der mir, während ich bei  seinen Eltern zum Abendessen eingeladen bin,  in Bezug auf ein tagespolitisches Thema erläutert, wie verschieden dieses in unterschiedlichen Tages- und Wochenzeitungen kommentiert wird. Er hat sie alle gelesen, zum Teil online.

Vor diesem Hintergrund empfinde ich die Debatten um eine angeblich ansteigende Politikverdrossenheit „der Jugend“ als teilweise aggressiven Akt von dem Jugendalter längst Entwachsenen, die es nicht auf die Reihe bringen, ihresgleichen zu politischem Handeln und demokratischer Mitgestaltung zu motivieren. Die breite Masse der Jugendlichen und die breite Masse der Erwachsenen scheinen da durchaus ähnlich zu ticken. Was ich jedoch sehr häufig beobachte, ist eine „Politikerverdrossenheit“.  Daran sollten wir arbeiten. Es wird uns manchmal in der Tat wirklich schwer gemacht, aber da müssen wir durch. Jeder Politiker und jede Politikerin. Das können wir nicht auf andere schieben, das müssen wir schon selbst machen.