NOVOMATIC AM VORMARSCH

Der Glücksspielkonzern Novomatic hat das Areal der früheren Siegendorfer Zuckerfabrik gekauft und will dort ein Einkaufszentrum und Spielhallen errichten.

Ich halte dieses Vorhaben für gefährlich, aus ökologischer, sozialer, raumplanerischer und verkehrstechnischer Perspektive. Und für die Ortsentwicklung von Siegendorf und die Lebensqualität der AnrainerInnen verheißt dieser Schritt auch nichts Gutes.

1. Kleines Glücksspiel
Stätten zu schaffen, wo Menschen zu kleinem Glücksspiel eingeladen werden, heißt auch, Stätten zu schaffen, in denen neue Abhängigkeiten und Spielsucht gefördert werden. Die Firma Novomatic muss sich nun offensichtlich einen neuen Geschäftsstandort suchen, da in Wien ja das kleine Glücksspiel von der rot-grünen Landesregierung verboten wurde. Das Elend wandert sozusagen weiter. Es ist bekannt, dass Spielsucht Existenzen und ganze Familien zerstören kann. Im Burgenland darf dafür kein neuer Anreiz geschaffen werden. Der Schutz der Menschen muss wichtiger sein als der Profit eines Glücksspielkonzerns.

2. Bodenversiegelung und Verkehrsbelastung
Die Ansiedelung eines weiteren Einkaufszentrums an der ungarischen Grenze ist aber auch aus verkehrs- und raumplanerischer Perspektive unverantwortlich. Hier gibt es jetzt schon eine übermäßige Verkehrsbelastung und täglich vorprogrammmierte Staus, unter denen die AnrainerInnen leiden. Das ist keine Lösung, sondern die Ausweitung eines Problems. Weitere Bodenversiegelung und zusätzlicher Autoverkehr sind nicht nur ein ökologisches Problem. Auch die Kosten, die verursacht werden, sind unzumutbar. Allein für die Verlegung von Wasserleitungen müssen wir mit Ausgaben von nahezu 250.000 Euro rechnen. Und das ist nur ein Teil der entstehenden Kosten.

3. BürgerInnenfeindliche Ortsentwicklung
Es wundert mich auch, dass derBürgermeister und der Gemeinderat von Siegendorf so ein Projekt genehmigen. Wie kann wohl der Ortsentwicklungsplan der Gemeinde Siegendorf aussehen, wenn derartiger Verkehrs- und Konsumwucher am Siedlungsrand befördert wird? Siegendorf schreibt seine traurige Geschichte falscher Entwicklungsstrategien weiter. Und das zum Schaden für Mensch und Natur.

Der Rückschritt kommt schleichend

Der Rückschritt kommt schleichend, aber nicht weniger unauffällig. Es ist erschreckend, wie sehr es sich durch verschiedene Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens durchzieht. Ich spreche von Rollenstereotypen und deren Abbildung im öffentlichen Leben. Dass aus der oberösterreichischen Landesregierung Frauen ganz verbannt wurden, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs, das Sinken der Frauenquote im burgenländischen Landtag ein Symptom. Selbst die SPÖ-Frauen im Burgenland finden nichts dabei, wenn nicht einmal ein Drittel der SPÖ-Abgeordneten Frauen sind.

Ich war in den letzten Wochen auf mehreren Veranstaltungen, bei denen fast ausschließlich Männer das Sagen hatten. Gerade noch als Moderatorinnen scheinen Frauen auf, als kompetente Interviewpartnerinnen sind sie weit weniger gefragt. Frauen werden wieder mehr gelobt für ihre sozialen Tätigkeiten, für ihr freiwilliges Engagement und ihre vielen Hilfsdienste im Hintergrund. Als Repräsentatinnen, Meinungsbilderinnen und Führungspersonen bekommen sie weniger öffentliche Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren. Unlängst wurde ein neues, durchaus interessantes Buch präsentiert: unter sieben Autoren findet sich keine einzige Frau. Jüngst auf einer großen Veranstaltung  wurden nur Männer auf die Bühne für Referate, Präsentationen und sonstige Worte gebeten. Außer im Chor, da durften Frauen auf der Bühne stehen – unter Leitung von Männern.

Bei mir läuten die Alarmglocken, wenn ich den Eindruck bekomme, dass das PlanerInnen von Veranstaltungen, Publikationen und Personalentwicklungen kaum mehr auffällt. Da ist wird nicht einmal mehr darauf geachtet, dass Frauen vorkommen. Da wird nicht mehr gesucht nach jenen Perlen weiblicher Art, die im öffentlichen Leben zu Wort kommen sollten.

Was ich daraus lerne? Wenn wir Frauen aufhören um unsere Plätze in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur, oder auch in den Kirchen zu kämpfen, dann nehmen sich wieder zusehends Männer jene Positionen (heraus), die einflussreich, bestimmend und meinungsbildend sind. Und Frauen lassen es zu.

Wir dürfen nicht aufhören um Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit zu kämpfen. Das sind wir unseren Töchtern schuldig. Und unseren Söhnen auch.