Flüchtlinge in Gemeinden: Wer will, der kann

Im März machte ich eine Tour durch sieben Gemeinden und lud zu Gesprächsabenden mit der Frage „Wie geht’s euch mit den Flüchtlingen?“ ein.  Ich war in Gemeinden, die schon seit vielen Jahren Flüchtlinge beherbergen und in welchen, für die das eine völlig neue Situation ist. Es waren neben interessierten BürgerInnen auch BürgermeisterInnen, VizebürgermeisterInnen, Quartier-Wirte, AktivistInnen und Asylwerbende anwesend und haben von ihren Erfahrungen erzählt.

So unterschiedlich die Ausgangssituationen der Gemeinden sind, so vergleichbar sind die gewonnenen

Erkenntnisse:

In jenen Gemeinden, in denen die Aufnahme von Asylwerbende schon Tradition hat, fallen diese geselschaftlich nur wenig auf. Es gibt kaum Kontakt zur Bevölkerung, weil sich die WirtInnen direkt im Quartier um ihre „Gäste“ kümmern. Es gibt kaum Probleme, aber eben auch kaum Begegnungs- und Integrationsaktivitäten. In jenen Gemeinden, in denen seit Herbst 2015 Flüchtlinge erstmals untergebracht werden, bilden sich Gruppen mit AktivistInnen, die Hilfe und Integrationsmaßnahmen organisieren.

Dort, wo sich eine Gruppe bzw. die politisch Verantwortlichen um ein gutes Miteinander bemühen, gibt es keine Probleme. Im Gegenteil, das Zusammensein mit den Flüchtlingen wird oft als Bereicherung erlebt. Zitat aus Bruckneudorf, wo es im Herbst große Aufregung gegeben hatte: „Es läuft jetzt ganz gut. Nicht einmal die FPÖ regt sich auf.“

Das größte Problem sind Fehlinformationen und Verunsicherung durch Unkenntnis der Realität. Wer Asylwerbende persönlich kennt, hat keine Vorbehalte. Sorgen und Äußerungen von Feindseligkeit gibt es dort, wo Menschen mangels persönlicher Begegnungen fürchterliche Szenen fantasieren, vor denen sie dann Angst haben. Aber Angst hilft keinen Millimeter weiter, aktive Integrationspolitik schon. Und die kann gelingen, wenn die Anzahl der in einer Gemeinde untergebrachten Asylwerbenden 1,5% der Bevölkerung nicht wesentlich übersteigt.

Rückmeldungen:

Nach der Veröffentlichung dieser Erkenntnisse gab es bemerkenswerte Reaktionen, die vordergründig Widerspruch ausdrücken wollten. Bei näherer Betrachtung, wird aber jede der genannten Erkenntnisse bestätigt.

Der Bürgermeister von Stinatz rief mich an und klagte, dass in seiner Gemeinde die Stimmung anders als in den von mir besuchten Gemeinden äußerst schlecht und er häufig Anfeindungen ausgesetzt sei. Stinatz hat ein großes Asyl-Quartier und eine Quote von derzeit 8.10%. Das übertrifft die von einem betroffenen Bürgermeister genannten 1,5% bei weitem. Es ist völlig unverständlich und unverantwortlich, dass eine Landesregierung, die sich in Presseterminen gegen sogenannte „Massenquartiere“ und für kleine Einheiten stark macht, einer Gemeinde eine derart große Anzahl an Flüchtlingen zuordnet, während andere Gemeinden kein einziges Quartier zur Verfügung stellen (müssen).

Der Bürgermeister von Klingenbach erzählt dem ORF, dass die Bevölkerung skeptisch sei, „beunruhigt und verängstigt“.  Es gebe „natürlich Leute, die Angst haben, etwa um ihre Kinder“ und „Frauen, die nur in Zweier- oder Dreiergruppen walken oder laufen gehen.“  Aber grundsätzlich sei die Stimmung nicht die schlechteste, aber auch natürlich nicht die beste ist. In Klingenbach gibt es keine Integrationsbemühungen und der Bürgermeister findet es gut, dass das Quartier an der ehemaligen Grenze steht, „weil da der Kontakt zu der Bevölkerung nicht sehr groß ist“. Leider macht er genau das Verkehrte: statt durch mehr Begegnungsmöglichkeiten authentische Erfahrungen miteinander machen zu lassen und damit die Angst in der Bevölkerung abzubauen, beharrt er auf geringen Kontakt, was nachweislich die Verunsicherung größer statt kleiner macht.

Eine Mail erreichte mich von einem Mann, der sich über die einseitige Berichterstattung über meine Tour beschwerte. Ich zitiere: „In jeden Ort wo Asylanten untergebracht werden, wehrt sich die Bevölkerung Demostrationen sie sind in keinster Weise willkommen so wie sie es immer darstellen.“ Dieser Mann wollte, dass ich auch seine Meinung veröffentliche, was ich hiermit getan habe. (Er muss wahrlich schon viel herumgekommen sein. Oder meinte er, dass Demonstrationen nicht willkommen seien ? ….)

Fazit:

Für die Gemeinderatswahlen 2017 gibt es schon einen wichtigen strategischen Hinweis: BürgermeisterInnen, die verhindern wollen, dass die FPÖ in ihrer Gemeinde stärker wird, sollten danach trachten, Quartiere in ihrer Gemeinde zu schaffen, Asylwerbende im Umfang bis zu 1,5% der Bevölkerung aufzunehmen und diese mit der Hilfe einer AktivistInnen-Gruppe zu integrieren. Die objektiven Analysen der burgenländischen sowie der oberösterreichischen Landtagswahlen und der jüngsten Wahlen in Deutschland zeigen es ganz deutlich: Dort, wo es wenige oder kaum AusländerInnen bzw. Flüchtlinge gibt, legen rechte Parteien deutlich zu. Dort, wo Asylwerbende integriert werden, werden die verantwortlichen PolitikerInnen dafür belohnt.

„Frommer Wunsch“?

Wenn jetzt auch noch die burgenländischen Pfarren auf ihren Bischof hören würden, der fordert, dass jede Pfarre mindestens eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen solle und appelliert, leerstehende Pfarrhöfe für Flüchtlinge zu öffnen, dann könnte man die Unterbringungs- und Integrationsherausforderung im Burgenland durchaus meistern. Man muss nur wirklich wollen.

 

 

 

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