Keine Einsparung auf Kosten der Kinder!

Vor einigen Wochen ging eine Novelle des Gemeindebedienstetengesetzes in Begutachtung, das für die Betreuung von Kindern in Gemeindekindergärten einen Qualitätsverlust bedeuten könnte – wenn die Gemeinden von einer neuen „Kann-Bestimmung“ Gebrauch machen. Dabei wird einerseits festlegt, dass die Hälfte der Vorbereitungszeit der PädagogInnen im Kindergarten zu absolvieren ist und anderereits, dass diese Stunden zugleich der Betreuung von Kindern zur Verfügung stehen müssen.

In §151o(2) heißt es: „Zu den Vor- und Nachbereitungsarbeiten zählt auch die Beaufsichtigung der Kinder vor Beginn und nach Ende der Gruppenarbeitszeit (Randzeit).“

Und es wird weiter oben präzisiert:
Dem § 151g wird folgender Abs. 4 angefügt:
„(4) Zu den Vor- und Nachbereitungsarbeiten im Sinne des Abs. 1 zählen insbesondere
1. die Vorbereitung und Dokumentation der pädagogischen Arbeit,
2. die Zusammenarbeit mit den Eltern,
3. Besprechungen zur Koordinierung gemeinsamer Fragen der Bildungs- und Erziehungsarbeit,
4. die fachspezifische Fortbildung an Arbeitstagen, soweit die im Dienstplan vorgeschriebene Gruppenarbeitszeit überschritten wird,

Diese sollen nun gleichzeitig mit aufmerksamer Beaufsichtigung von Kindern vollzogen werden. Arbeitsbereiche, die auch im Burgenländischen Kinderbetreuungsgesetz bewusst getrennt sind, sollen zu bestimmten Zeitpunkten gleichzeitig vollzogen werden, um Personalkosten zu sparen. Das wäre sparen auf Kosten der Kinder, weil die volle Aufmerksamkeit für die zu betreuenden Kinder nicht mehr gewährleistet wäre. Das wäre auch sparen an der Qualität von Vorbereitungsarbeiten, Elterngesprächen und Teamarbeit.

Das ist für mich eine klare Grenzüberschreitung, gegen die ich mich schon aus pädagogischen Gründen wehre.  Ich bin aber nicht die einzige. In der Begutachtungsfrist wurden einige entsprechende Stellungnahmen an die zuständige Abteilung der Landesregierung geschickt, eine kam von der Vertretung grüner und unabhängiger GemeinderätInnen und Gemeinden, eine andere von der Caritas und eine weitere meiner Information nach von der Gewerkschaft. Doch all diese wurden in keiner Weise berücksichtigt.

Meiner Meinung nach werden hier auch Eltern in gewisser Weise „betrogen“. Denn ihnen wurde eine qualitätsvolle Kinderbetreuung während der gesamten Öffnungszeit des Kindergarten entsprechend dem Burgenländischen Kinderbildungs- un -betreuungsgesetz zugesagt. Diese Zusage wird hintenrum mittels Gemeindebedienstetengesetz teilweise zurückgenommen.

Ich werde meine Möglichkeiten als Abgeordnete einer Oppositionspartei nutzen, um diesen Paragraphen noch aus dem Gesetz herauszubringen. Unter anderem habe ich einen Antrag gestellt, dass eine Vermischung von Vorbereitungs- und Kinderbeaufsichtigungszeit nicht erlaubt werden darf (Kindergarten Vorbereitungszeit). Und natürlich führe ich Gespräche mit den Abgeordneten der anderen Parteien, um diese noch umzustimmen und eine Abänderung der Novelle zu erwirken.

Wer sich als Elternteil, BürgerIn oder PädagogIn dazu auch zu Wort melden möchte, kann dies zum Beispiel durch das Verfassen eines Briefes an die zuständige Landesrätin Mag.a Astrid Eisenkopf (astrid.eisenkopf@bgld.gv.at) und Landeshauptmann Hans Niessl (hans.niessl@bgld.gv.at) tun.

 

Am 14. Juli 2016 soll die Gesetzesnovelle im Landtag beschlossen werden. Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, noch eine Herausnahme des strittigen Paragraphen zu erwirken.

Ich wünsche es den Kindern, den PädagogInnen und den Eltern.

 

 

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