Fehlwürfe mit Konsequenzen

Vier Tage habe ich auf der Kompostierungsanlage des UDB (Umweltdienst Burgenland) stundenlang Störstoffe aus dem Biomüll geklaubt.  Ja, das war mitunter ekelig, es hat gestunken und trotz duschen und Haare waschen nach Dienstschluss hatte ich abends immer noch den Eindruck, den Geruch der Gasdämpfe mit mir herumzutragen. Noch nachhaltiger waren die Erkenntnisse dieser Tage darin, was Menschen alles in eine Biomülltonne werfen – also in jene Tonne, aus deren Inhalt Nährstoff für (Bio-) Ackerböden und Gärten gewonnen wird.
Ich habe nicht nur unzählige Plastiksackerln und Plastikfetzen herausgezupft, sondern auch Cremetuben, Kaffeekapseln (insgesamt in vier Tagen ca. 100 Stück), Plastikblumentöpfe, Kunststoffverpackungen aller Art, ein Mundspray, Medikamentenfolie, Teelöffel, Haarshampoo-Flaschen, Getränkedosen, Plastikflaschen, Erdäpfelnetze, Ketchup-Flaschen, Plastikdeckel, Katzenfutter-Beutel, Alufolie, eine Zahnbürste, Messer, Styropor, ein Stofftier, Kuchengabeln, Orangen in Netzen, eine Spritze, Gartenhandschuhe, eine Jacke, Werbeprospekte, Gummireste, Batterien und sogar eine Druckerpatrone.

Da geht es nicht einfach um schlampiges Verhalten von Menschen, die zu faul sind, ihren Biomüll ordnungsgemäß zu entsorgen, das ist wie Vandalismus an der Natur. Diese Fehlwürfe führen auch dazu, dass eine Menge Personalstunden nur für das Aussortieren gezahlt werden müssen. Das hat also handfest wirtschaftliche Auswirkungen, für die alle über ihre Müllgebühren bezahlen müssen.

An sich gibt es ja ein Gesetz, in dem alles geregelt wäre: das Abfallwirtschaftsgesetz. Verstöße dagegen werden leider kaum geahndet. Während meiner Tage auf der Kompostierungsanlage dachte ich mir oft: Wenn jene, die dauernd unachtsam störenden Abfall in die Biomülltonne werfen, hier ein paar Tage arbeiten müssten, dann hätte das mehr Wirkung als jede Strafzahlung. Man würde die Konsequenzen des eigenen Handelns am eigenen Leib spüren. Das gilt auch für InhaberInnen von Gewerbebetrieben, die ihren Abfall nicht ordnungsgemäß entsorgen.

Es gibt Auswege

Ein wichtiger Beitrag zur Reduktion dieser Störstoffe ist die generelle Reduktion von Plastik im Wirtschaftskreislauf, etwa auch beim Verpackungsmaterial. Wesentlich ist die Minimierung der Verwendung von Plastiksackerln beim Einkauf. Modelle dafür gibt es bereits in anderen Staaten. Seit März 2002 gibt es in Irland eine Steuer von 15 Cent pro Einmal-Plastiksackerl. Der Verbrauch wurde daraufhin um 90% gesenkt. In Italien sind Plastiksackerln seit 2011 verboten, der Handel und die KonsumentInnen haben sich auf Einkaufstaschen und Stoffsackerln umgestellt. In vielen Städten in den USA sind bereits Plastiksackerlverbote umgesetzt und auch in einigen afrikanischen Ländern gibt es bereits Initiativen.

Politisch muss einiges geschehen
Dringend gefordert ist nun die Umsetzung eines Plastiksackerlverbots zur Reduktion von Plastik auf den Müllhalden. Die Einführung eines Pfandsystems auf Plastikflaschen und Getränkedosen würde umgehend positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Darüber hinaus braucht es eine intensivere Aufklärung und Bewusstseinsbildung über die Folgen von Fehlwürfen. Hilfreich wären auch mehrsprachige Aufschriften auf den Mülltonnen – im Burgenland vor allem in Ungarisch und Slowakisch.

Und schließlich braucht es in der Tat das Bewusstsein, dass das Abfallwirtschaftgesetz, wie andere Gesetze auch, einzuhalten ist. Verstöße dagegen stellen eine Bedrohung für die Umwelt und in weiterer Folge für das Klima dar. Daher muss die Einhaltung, wie bei anderen Gesetzen auch, überprüft werden und Gesetzesverstöße geahndet werden.
Wenn es dann auch noch möglich wird, bei Verstößen als Verwaltungsstrafe einen „Störstoff-Aussortierdienstes“ zu verhängen, dann haben wir auch mit Sicherheit den richtigen Abschreckungseffekt 😉

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