Wem gebührt ein Integrationspreis ?

Vor ein paar Wochen erhielt ich eine Einladung zur einem großen Festakt zur „Verleihung des Burgenländischen Sicherheitspreises“.  Damit war wieder einmal untermauert, was das Herzensthema unserer rot-blauen Landesspitze ist: die Sicherheitspolitik. Für so vieles werden Preise verliehen und neue erfunden, dachte ich mir, nur für ein ganz zentrales gesellschaftliches Anliegen noch nicht: für die Bemühungen um Integration. Und so setzte ich mich hin und formulierte einen Antrag zur „Verleihung eines Burgenländischen Integrationspreises für besondere Leistungen in der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen, Asylwerbenden, und Asylberechtigten“.  In der Folge wurde ich überrascht, denn mein Antrag wurde nicht einfach, wie ich es mit unseren Anträgen im Landtag ansonsten gewohnt bin, bis zur Unkenntlichkeit abgeändert. Nein, der zuständige Landesrat Norbert Darabos  reagiert schnell und sagte die Verleihung so eines Preises zu. Nun stimmten die Regierungsfraktionen nicht einfach dem GRÜNEN Antrag zu, das wäre zu viel des Guten gewesen, aber der Weg war frei für einen gemeinsamen Abänderungsantrag, der gemeinsam beschlossen wurde.

Warum ist es gerade heute und gerade unter einer rot-blauen Landesregierung so wichtig, Menschen vor den Vorhang zu holen, die sich in der Intergrationsarbeit engagieren?

Wir leben in einer Zeit, in der nicht einfach einer hilft und ein anderer nicht hilft. Heute müssen es sich Menschen, die selbstlos und ehrenamtlich einfach helfen, gefallen lassen, beschimpft und beschädigt zu werden. Sie werden diffamiert und als Schuldige unterschiedlicher politischer Entwicklungen ausgemacht. Und genau darum ist es so wichtig, mit einem Integrationspreis von politischer Seite zu zeigen: Es ist gut, dass ihr helft. Wir sind dankbar, dass ihr zupackt.

Es muss aber auch die Botschaft sein: Wir werden es nicht länger zulassen, dass Menschen, die helfen, diffamiert werden!

Hier hat jede Partei einen Auftrag, gerade auch in den sozialen Netzwerken, klare Linien zu ziehen. Das sind wir jenen Menschen schuldig, die dem Staat Arbeit und Ausgaben ersparen, weil sie mit eigenen Mitteln, in der eigenen Freizeit und mit privaten Ressourcen eines tun: helfen, wo es nötig ist ohne zu fragen, was hab ich davon. Diese Menschen sollen etwas davon haben, manche werden dafür einen Preis bekommen.

Was  ist es, das sie tun? Sie organisieren Kaffeetreffen, Sprachkurse, Nachhilfe, Fahrtendienste zur Ärztin, Hilfe bei Amtswegen. Sie laden in private Räume ein, helfen bei der Wohnungssuche und beim Auftreiben von Kleidung für die Kinder. Aber vor allem: Sie zeigen, wie das Leben hier geht und sind gleichzeitig offen dafür, sich mit dem, was andere mitbringen, auseinanderzusetzen – und hin und wieder sogar etwas davon zu lernen. Wie Menschen eben natürlicherweise etwas voneinander lernen, wenn sie sich aufeinander einlassen. Das ist bereichernd und gleichzeitig beschwerlich. Jeder von uns kennt das aus dem privaten und beruflichen Leben: Sich ernsthaft auf einen anderen Menschen einzulassen, der anders denkt als ich, der anders leben will oder einfach anders tickt, das ist mühsam, das ist anstrengend, aber es ist auch bereichernd, wenn man für die Bereicherung offen ist.

Es sind Menschen, die die Ambivalenz aushalten zwischen Offenheit und Grenzen der Möglichkeiten, zwischen positiver Grundhaltung und Ärger über das, was manche damit machen. Es sind Menschen, die den intensiven Wunsch haben, etwas Sinnvolles in dieser Gesellschaft zu tun und die den kalten Wind spüren, der ihnen mitunter dabei entgegen schlägt. Es sind Menschen, die nicht bereit sind, über Klischees zu sprechen, sondern über Realitäten, weil sie mitten drin stecken. Tag für Tag.

Insofern zeigen uns Menschen, die sich in der Integrationsarbeit engagieren, wie wir uns bereichern lassen können in Situationen, die sehr viel Mühe beanspruchen und persönliche Herausforderungen sind. Denn in Beziehungen muss man auch mal Grenzen ziehen, muss man sagen: Das geht jetzt nicht mehr. Und wie in allen Beziehungen – ob privat, beruflich oder gesellschaftlich – ist es die Kunst in der Integrationsarbeit die eigenen Grenzen zu erkennen und zu formulieren und den richtigen Umgang damit zu finden.

Integration: Das ist nicht einfach etwas, das man in Wertekursen abhandelt. Integration, das ist: einander im Alltag begegnen, miteinander aktiv sein, ein Stück des Lebens teilen.

Integration müssen wir in unseren Gemeinden auf unterschiedlichste Art praktizieren, auch zwischen „Zuagrasten“ und „Hiesigen“, zwischen lang hier beheimateten Religionsgemeinschaften, zwischen Parteien. Dass das gelingen kann, auch wenn es über lange Zeit hinweg tiefe Zerwürfnisse gab, zeigt etwa das Zusammenwirken von katholischer und evangelischer Kirche in unserem Land.  Das Burgenland wird in diesen Jahren zur Wiege überzeugter und intensiv praktizierter Ökumene in Österreich, ja in Europa – welch ein großer Schritt ! Und das erst jetzt, obwohl wir seit Jahrhunderten hier unsere Heimat teilen.

Es ist kein Wunder, dass es manchen so schwer fällt, Integration positiv zu sehen, wenn es nun auch noch um Menschen geht, die erst jüngst zu uns gekommen sind, zu denen wir noch keine langjährige persönliche Beziehung haben, die einfach hierher gekommen sind, um sich ein Überleben zu sichern. Ich verstehe, dass das nicht leicht ist. Aber wir können das, wir schaffen das und wir belohnen das auch.

Ich freue mich schon auf die Vielfalt der Projekte und deren AktivistInnen, die wir im kommenden Jahr vor den Vorhang holen werden. Das wird dem Burgenland und der Stimmung im Land gut tun.

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