Frauenpolitik im ländlichen Raum

Die Wertschätzung Frauen gegenüber ist ja interessanterweise in den letzten Jahren immer wieder Thema am politischen Parkett. Es wird dabei so getan, als wäre in unseren Breitengraden die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung gesellschaftlich bereit erreicht. Das ist aber mitnichten der Fall. Die Diskriminierung von Frauen ist gesellschaftlich leider noch immer weit verbreitet und äußert sich auch in den Rollenvorstellungen, in die Frauen gedrängt werden, besonders auch in ländlichen Gebieten. Leider haben da sogar noch Gemeindepolitikerinnen von SPÖ, ÖVP und FPÖ dringenden Aufholbedarf.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an einen Vorfall im Jennersdorfer Gemeinderat, der im Frühjahr 2017 die Anstellung eines Gemeindetechnikers/einer Gemeindetechnikerin vornahm. In der letzten Runde des Auswahlverfahrens verblieben ein Maschinenbauer und eine Bauingenieurin für Hochbau mit reicher Berufserfahrung bei renommierten Firmen im Bereich Projektmanagement, Projektsteuerung, Controlling, Behördenkontakte, Administration und Vergabewesen. Aufgrund der fachlichen Qualifikationen und der anstehenden Aufgaben für die anzustellende Person war für den damaligen grünen Stadtrat klar, dass die Bauingenieurin die geeignetere Kandidatin war. Was dann folgte, ist ein unschönes Paradebeispiel, wie Frauen auch durch Politikerinnen einzelner Parteien diskriminiert werden.
Da fragte etwas eine Gemeinderätin, ob die Bewerberin wohl richtig arbeiten könne, wo sie doch zwei Kinder hätte. Eine andere Gemeinderätin schloss sich an und meinte: „Genau, das kennen wir schon, zuerst sagen sie, dass sie Zeit haben, dann sind sie wegen den Kindern dauernd verhindert!“ Die Frage nach den Kindern wurde beim männlichen Bewerber nicht gestellt. Auch die Erfordernis, zu Güterwegbaustellen fahren zu müssen, wurde als Argument gegen die Frau als Gemeindetechnikerin vorgebracht. Ich finde das unerträglich. Frauen werden hier in Rollenklischees gedrängt und dadurch benachteiligt, statt deren Qualifikationen zu schätzen und Stärken zu nutzen.
Was passierte bei der Abstimmung? Da waren nur die „GRÜNEN und Unabhängigen“ für die höher qualifizierte Frau, SPÖ, ÖVP und FPÖ konnten sich nur einen Mann in diesem technischen Job vorstellen. Dieser sagte allerdings ab, nachdem ihm die Nachricht von seiner Anstellung übermittelt wurde.

Die peinliche Geschichte der Diskriminierung von Frauen ist noch nicht zu Ende. Denn dann kam noch immer nicht die weibliche Bewerberin zum Zug. Lieber lagert man fortan technische Angelegenheiten an externe Firmen um teures Geld aus!

Das ist die Stimmung, die Frauen im Burgenland noch immer zu spüren bekommen. Hier muss nachdrücklich und konsequent entgegengewirkt werden. Diskriminierung darf keinen Platz in unseren Gemeinderäten und auf unseren Behörden haben!

Die Gemeinderatswahlen im Burgenland brachten zwar einen höheren Frauenanteil in den Rängen der BürgermeisterInnen und auf den Gemeinderatssitzen, der politische Alltag offenbart aber eine noch weit verbreitete Diskriminierung von Frauen im ländlichen Raum. So musste sich eine Bürgermeisterkandidatin der GRÜNEN im Wahlkampf von einem Mitbewerber sagen lassen, sie solle lieber zu ihren zwei Kindern nach Hause gehen. Keinem Mann wird das jemals gesagt.

 Wo Frauenpolitik ansetzen muss, zeigt auch die Abwanderung von Frauen aus dem ländlichen Raum, die ihre Gründe hat

Die Lebens- und Arbeitspraxis von Frauen in den ländlichen Regionen braucht wesentlich mehr Aufmerksamkeit durch die Politik. Zu stark haben sich die Bedingungen dort geändert. Auch wenn Mädchen und Frauen heute selbstbestimmter leben, so sind die Rollenvorgaben im ländlichen Raum immer noch restriktiver als in der Stadt. Es ist kein Zufall, dass vor allem gut gebildete junge Frauen in die städtischen Regionen abwandern. Für sie gibt es im ländlichen Raum auch kaum Jobs.

Frauen, die in ländlichen Regionen leben, leisten ihren Beitrag für Wirtschaft und Gesellschaft mit einer großen Selbstverständlichkeit, die gesellschaftliche Anerkennung dafür bleibt dabei aber oftmals aus. Das zeigt sich besonders in der Landwirtschaft einsetzt. Frauen leisten einen enormen Teil der Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben. Der Anteil von Frauen als Betriebsleiterin ist im internationalen Vergleich bei uns sogar sehr hoch. Nichtsdestotrotz wird die Landwirtschaft weiterhin als männliches Gewerbe wahrgenommen. Da braucht man nur einen Blick in die Landwirtschaftskammer zu werfen. Dort würde eine Frauenquote in den Gremien schon einiges in Bewegung bringen.

Es sind oft die Frauen, die neue Initiativen setzen

Frauen sind in den ländlichen Regionen oftmals Vorreiterinnen bei der Umsetzung eines nachhaltigeren Lebensstils. Das Interesse am Schutz von Umwelt und Natur, an kleinräumigen Wirtschaftsbeziehungen aber auch an ehrenamtlichen sozialen Tätigkeiten ist bei Frauen sehr hoch.

Aber die Abwanderung von vor allem jungen Frauen ist einfach zu hoch, damit muss sich die Politik auseinandersetzen. Sie muss dafür Sorge tragen, dass die beruflichen Chancen und die persönliche Entfaltung am Land gestärkt werden. Ziel der burgenländischen Frauenpolitik muss sein, dass Frauen quer durch alle Einkommens- und Bildungsschichten im ländlichen Raum ein Leben in Selbstbestimmung und -entfaltung führen können. Für Frauen mit Behinderungen gilt dies ebenso, ihnen müssen Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. die persönliche Assistenz zur Verfügung gestellt werden. Frauen müssen in den Regionen mit ihren Leistungen sichtbarer und zunehmend in Entscheidungspositionen eingebunden werden.

Dafür braucht es ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, das umfassende und leistbare Mobilität in ländlichen Regionen ermöglicht. Das wird gelingen, wenn mehr Frauen in der Verkehrs- und Regionalplanung eingebunden werden.

Es braucht eine Aufwertung der Leistungen von Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben und die Förderung der kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe.
Hilfreich sind Mentoringprogramme und politische Bildung für und mit Frauen.
Flexible, qualitativ hochwertige und leistbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten und betriebliche Modelle der Kinderbetreuung beispielsweise im Tourismus sind aus familien- und frauenpolitischer Sicht ein vordringliches Anliegen. Und nicht zuletzt erhöht der Ausbau von Breitband-Internet die Möglichkeiten für Frauen, Top-Positionen und hochqualifizierte Tätigkeiten auch dezentral zu verrichten und flexible Arbeitszeitformen zu gestalten.

Wir haben noch viel zu tun!

 

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