ernten und essen

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Was für ein Job! In der Mittagspause ernähre ich mich von dem, was ein paar Stunden zuvor noch auf dem Feld war. Ich bin nun an der Basis des Überlebens gelandet: bei der Nahrung. Was im Rahmen meiner Jobtour auffallend ist: Je basaler die Bedürfnisse, die durch die Tätigkeit befriedigt werden, desto dürftiger die Entlohnung. ¹
Das ist doch bemerkenswert: Dort, wo es auf jene Güter ankommt, auf die ein Mensch keinesfalls verzichten kann, wird die Arbeit, die dafür geleistet wird, schlechter bewertet als in jenen Bereichen,  auf die wir zur Not eher verzichten könnten. Da wir am anderen Ende der Produktionskette als KonsumentInnen mitbestimmen, was am Markt Bestand hat, haben wir in dieser Rolle auch Einfluss auf diese Dynamik. Und so muss auch ich mich täglich fragen: Bin ich bereit, für Produkte, die in meiner Region erzeugt werden, einen Preis zu zahlen, von dem Menschen, die an diesem Produkt arbeiten, auch in meiner Region überleben können?

Wenn alle, die es sich eigentlich leisten könnten, zu regionalen Produkten greifen, dann könnten einige von jenen, die es sich noch nicht leisten können, in eine Lohnhöhe kommen, die es ihnen dann doch möglich macht, sich diese Produkte leisten zu können. Nachvollziehbar? Ich stelle mir gerade vor, wie spannend es sein könnte, sich einige Zeit lang konsequent regional und saisonal zu ernähren und möglichst alles wegzulassen, was durch weite Transportwege nicht nur einen katastrophalen ökologischen Fußabdruck hinterlässt, sondern auch auf die Ausbeutung von Arbeitskräften aufbaut. Vielleicht könnten wir uns richtig daran erfreuen, uns von den Kreisläufen der Natur leiten zu lassen und nicht immer alles zur Verfügung zu haben. Vielleicht ist es ja auch befriedigend, die tägliche Nahrung in dem Bewusstsein zu sich zu nehmen, dass ich nicht indirekt auf Kosten anderer lebe. Vielleicht schmeckt dann das, was ich zu mir nehme, irgendwie anders. Vielleicht macht das die Nahrungsaufnahme auf eine Weise spannender.  Ich muss das mal versuchen.

 

¹ Ich mache dabei keinem konkreten Arbeitgeber einen Vorwurf, wir sind im Bereich der Kollektivverträge und ich verstehe, dass einzelne Arbeitgeber nur schwer als Einzelunternehmen Löhne überbieten können.

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