Als Frau am Bau

Besprechung

Gitter für einen Keller verlegen, Ziegel schleppen, betonieren (ja, das muss man auch als Grüne hin und wieder tun), Boden kehren, Dämmplatten mit irgendeinem Klebemörteldings bestreichen und allerlei Zwischendurchhandgriffe tätigen. Ich habe in meiner ersten Woche als Bauabeiterin  schon einiges gelernt. Ob das hart ist? Nicht die körperliche Anstrengung ist hart, das ist Übungssache. Ich bin eigentlich erstaunt, dass ich weder Rücken- noch Schulterschmerzen habe. Hart an dem Job ist die Tatsache, dass die Außenarbeiten bei jeder Witterung zu erledigen sind. Am zweiten Tag blies mir stundenlang der kalten Wind um die Ohren, am dritten hatten wir mit Gelsenattacken zu kämpfen. Hitze oder starken Regen habe ich dieser Tage nicht erlebt, ersteres ist wohl selten ein Oktoberproblem und letzteres kommt vielleicht noch. Aber ich muss gestehen, auf manche Erfahrungen verzichte ich auch gerne.

Ich werde oft gefragt, wie es denn so sei als Frau am Bau und oft kann ich heraushören, welches Bild den Fragenden dabei vorschwebt: Schwitzende, Bier trinkende Männer mit derbem Spruch drauf. Ehrlich, so etwas habe ich bislang auf den Baustellen nicht erlebt. Die Männer, mit denen ich arbeite, machen einfach ihre Arbeit, trinken in der Pause Wasser, Cola oder Kaffee und sagen „bitte“ und „danke“. Ihr Spruch klingt nicht derb, was sie genau sagen, wenn sie miteinander reden, weiß ich nicht, weil ich kein Ungarisch verstehe.
Eine Kollege achtet darauf, seine Hände gut zu schützen, weil er abends und samstags nebenberuflich als Masseur arbeitet. Sonntags spielt er dann mit seinem 8-Jährigen Sohn. Männlichkeit und Derbheit sind also auch am Bau kein logisches Charakteristikumpärchen.

Der große Unterschied zu den Jobs, die ich in den vergangenen Monaten ausübte und bei denen ich vor allem weibliche Kolleginnen hatte, ist die Bezahlung. Am Bau verdiene ich echt gut. Für eine 39 Stundenwoche bekäme ich hier als Hilfsarbeiterin 1,900,10 Euro Brutto monatlich. Ich habe viele Jahre als Akademikerin um weniger Geld gearbeitet. Umso verwunderlicher ist es für mich, dass es einen Arbeitskräftemangel am Bau gibt. Mein Boss könnte mehr Leute brauchen, findet sie aber nicht. Er würde auch Frauen nehmen. Ich leiste hier mal Vorarbeit 😉

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