Landwirtschaftsk(l)ammer ?

Wenn man auf einem Bio-Fest vom Veranstalter offiziell als „BIO-Praktikantin“ begrüßt wird, dann hat man schon seinen Platz in der Landwirtschaftsszene. Meiner ist es auch, von Bauern und Bäuerinnen landauf, landab mehr oder weniger offen, unter vorgehaltener Hand oder mit leidenschaftlichem Nachdruck über deren Sorgen und Ärgernisse ins Vertrauen gezogen zu werden. Aber was anfangen mit diesem Vertrauen? Ich werde zu einer Art offenen „Geheimnisträgerin“ (Harry-Potter-LeserInnen wissen, welch Bürde das ist), soll aber das im Vertrauen Gesagte nur wissen, etwas damit anfangen, aber – um Gottes Willen!  – nicht laut sagen. Schon gar, von wem ich was zugetragen bekommen habe.  Man würde sich sonst in große Gefahr begeben. Nein, das will ich wirklich nicht. Da gibt es eine Menge Bauern und Bäuerinnen, die sich mit ihren kleinen oder mittelgroßen Betrieben und all den Formularen der Landwirtschaftskammer und den Anforderungen, die die AMA an sie stellt, irgendwie über Wasser halten.  Und die ärgern sich. Nicht nur über’s Wetter, das ist Naturgewalt. Nein, sie ärgern sich über eine andere Gewalt, die Funktionärsgewalt (ärgerlich), die Kammergewalt (zum verzweifeln), die Parteifreundegewalt (echt traurig) und über ihre eigene Machtlosigkeit, weil jeder deutliche Widerstand gegen diese Gewalten einen wirtschaftlich spürbaren Nachteil für sie bedeuten könnte. Könnte. Das ist alles natürlich nur Einbildung, Paranoia, Verunglimpfung oder Unkenntnis der Lage  und meine Empörung über die Unterentwicklung des demokratischen Bewusstseins und Gespürs ist blanke Übertreibung.

Darum erzähle ich ja auch nichts darüber, worin der Ärger besteht und was die Verzweiflung ausmacht. Ich will diesen Menschen ja nicht schaden. Schade. Eigentlich schade, dass die Zeit offensichtlich noch nicht reif ist für einen Aufstand, für ein Aufstehen gegen die Vormacht parteipolitisch motivierter Interessensvertreter, gegen das Agieren übermächtiger Kammerfunktionäre und gegen die Angst vor jenen. Noch ist sie nicht reif, die Zeit, aber sie reift. Und in der nächsten Saison wird die Ernte besser ausfallen.

 

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