Zwischengedanken: Dramatisierung stinknormaler Meldungen

Transparenz und sachliche Information durch die Medien wird leider durch eine immer wieder inadäquate Berichtserstattung erschwert. Im wetteifern um Aufmerksamkeit und vermeintliches Aufdecken von „Geheiminformationen“ erleben wir die Dramatisierung stinknormaler Meldungen um Widersprüche in der politischen Debatte. Haben zum Beispiel zwei Angehörige derselben Regierung zu einer Sache unterschiedliche Meinungen, liest man schon mal „Krach in der Koalition“. Findet eine Journalistin bei einem Rundruf durch ihre Parteifunktionärsliste eine Differenz zwischen zwei Aussagen, wird so etwas mit „Zerwürfnis“ kommentiert. Das führt dazu, dass sich Parteien und Regierungen davor hüten, differenzierte Informationen zu geben. Mit der Zeit wird nur mehr in immer gleich bleibenden und daher bald langweiligen Wordings kommunziert. Es kommt zu einem Wettkampf vom vermuteten Verschwiegenen mit dem vermeintlich Aufgedeckten.

Ist es nicht stinknormal, dass PolitikerInnen oder FunktionärInnen verschiedene Zugänge, Einschätzungen und Meinungen haben? Wäre es nicht viel spannender und Erfolg versprechender, über diese unterschiedlichen Perspektiven unaufgeregt zu diskutieren, als sie zu dramatisieren? Ich denke, die politische Debatte könnte hierzulande wieder niveauvoller werden, wenn wir uns über unterschiedliche Einschätzungen und Meinungen austauschen könnten, statt immerzu aufpassen zu müssen, auch nicht kleinste Differenzen an die Öffentlichkeit geraten zu lassen. Schade um die viele Energie, die da vergeudet wird. Schade um die Möglichkeit einer Debattenkultur, an der alle wachsen könnten.