Mein Tag als Sicherungstechnikerin

Regina will’s wissen – Praktikum  Raaberbahn

Einen Tag im Rahmen meines Praktikums bei der Bahn darf ich mit einem Sicherungstechnik-Team  verbringen. Nach einem ersten Sicherheits-Check der elektronischen Anlagen am Bahnhof Neufeld  fahren wir von Signalanlage zu Signalanlage an den Gleisüber-
gängen. Von der Prüfung, ob die Software einwandfrei läuft, bis zur Reinigung der Signallampen ist alles dabei. Hunderte Anschlussleitungen, die vom Schalthaus kommen, werden monatlich kontrolliert: Haben sie noch einen festen Sitz, oder haben sie sich durch die wiederholten Erschütterungen bei den Schrankenbewegungen gelockert? Bei einigen muss ich nachschrauben, andere sitzen ganz fest. Mein Kollege öffnet den Schrankenantrieb, um ihn zu reinigen und er überprüft den Bahnschranken auf Beschädigungen und eine ausreichende Schmierung. Wir simulieren Störungen, um überprüfen zu können, ob die Zentrale die Störungen korrekt angezeigt bekommt. Denn wenn es wirklich eine Störung gibt, muss ja sicher sein, dass sie auch registriert wird. Die Lampen und deren Abdeckungen müssen abgewischt, die Sicherungshäuschen von angesammeltem Staub samt Ungeziefer befreit werden. Ich lerne, dass bei den Anschlusskästen für die Einschaltstellen einer Eisenbahnkreuzung, die neben der Gleisanlage am Boden sitzen, überprüft werden muss, ob eh keine Feuchtigkeit eingedrungen ist. Und ich schaue zu, wie im Gleis die Sensoren, die für die Einschaltung der Eisenbahnkreuzung verantwortlich sind, überprüft werden.

Die Techniker sind jeden Tag draußen, bei jedem Wetter, manchmal nur um zu schauen, ob eh alles passt. Dann wieder, weil sie einer Panne nachspüren und sie so schnell wie möglich alles wieder
Instand setzen müssen. So schnell wie möglich – das wirkt für Bahnfahrende, die auf den Zug warten, mitunter wie eine Ewigkeit.
Während ich mit meinen Technikerkollegen unterwegs war und sie mir von ihrem Arbeitsalltag erzählten, ist mit klar geworden, wieviele Zwischenfälle nur gelöst werden können, wenn jemand vor Ort ist. Das heißt: Anfahrtsweg, Problemanalyse, Problemlösung. Dazu muss immer einer in Bereitschaft sein. Wenn ich das nächste Mal am Bahnsteig stehe und mich ärgere, dass es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis ein Defekt behoben ist, werde ich an meine heutigen Kollegen Rene, Martin und Lukas denken. Ich werde das Bild vor Augen haben, wie sie so schnell sie können zum Ort Geschehens düsen, wie sie mit ihrem Werkzeugkoffer an Muttern drehen und Kabel miteinander verbinden. Ich werde dankbar sein, dass ich nur herumstehen muss und mich mit meinem Handy beschäftigen kann, während andere unter Hochdruck einen Schaden reparieren. Und obwohl ich mich noch immer über meinen Zeitverlust ärgern werde, oder Stress kriege, weil ich schon bei einem Termin erwartet werden, werde ich beruhigt und dankbar sein, weil ich weiß, dass irgendwo auf der Strecke schon emsig gewerkt wird, damit ich dann doch noch sicher an mein Ziel gelangen kann.

 

Die Angst der Lokführerin

Heute beginnt mein Praktikum bei der Raaberbahn. Ich darf wieder einige Tage lang die Welt aus der Perspektive eines Berufs erforschen, der in meinem Lebenslauf noch nicht vorgekommen ist. Ich kenne die Bahn sehr gut als Fahrgast, heute bin ich im „Führerstand“ der Lokomotive an der Seite des Lokführers Gabor.
Mein Dienst beginnt um 5.10 Uhr, Gabor ist seit 3.30 Uhr aktiv. Vor der ersten Fahrt des Tages muss ein großer Sicherheitscheck durchgeführt werden, das dauert. Mit der Neuen hat man Gnade, ich darf einfach kurz vor Abfahrt mit meiner Arbeit beginnen. Mein Einschuler erklärt mir alle Schalter und Hebel, die Listen und Lichter. Dann geht es los.

Als Lokführer*in bist du viele Stunden den Tages allein. Menschenkontakt hast du, wenn du in einen anderen Zug wechselst, oder wenn du an der Endstation die letzten Müden darauf hinweist, dass sie nun aussteigen müssen. Am Weg neben den Schienen siehst auch immer wieder Leute, aber von denen hoffst du, dass sie nicht zu nahe kommen. Denn das kann gefährlich werden, lebensgefährlich.
Besonders angespannt ist die Situation an der Station beim Schulzentrum. Kinder, manchmal auch ihre Eltern, laufen noch schnell vor dem Zug über die Gleise. Du kannst nur hoffen, dass sie nicht ausrutschen, weil du ja nicht jedesmal mit dem Zug voller Schüler*innen und Pendler*innen eine Vollbremsung hinlegen kannst, wenn da
eine*r hastig die Gleise quert.
Besonders schlimm – so erzählt es mir Gabor – kann es nach Unterrichtsende werden, besonders in den Wintermonaten, wenn es schon früh dunkel wird. Einige Jugendliche suchen den Nervenkitzel einer „Mutprobe“: Sie sitzen am Bahnsteig und lassen die Beine über dem Gleis baumeln. Wer hält es am längsten aus, wer springt als Letzte*r auf und zieht die Beine vor dem einfahrenden Zug weg?
Jeden Nachmittag hat zumindest ein*e Lokführer*in Angst davor, dass wieder einige Jugendliche ihre Mutprobe machen. Für sie ist es keine Mutprobe, für sie ist es der schlimmst Augenblick des Tages.