Das System Pucher

Wer das Geld hat, schafft an, wer nimmt, schaut weg

Endlich können wir im Untersuchungsausschuss mit den Befragungen beginnen. Die ersten Auskunftspersonen wünschen den Ausschluss der Öffentlichkeit, weswegen ich auch nicht berichten darf, wer diese beiden waren. Die Informationen, die wir bekamen, zeichnen aber ein klares Bild. Die Commerzialbank Mattersburg und in die Sportvereinigung Mattersburg (SVM) waren engstens miteinander verknüpft und das Sagen hatte nur einer: Martin Pucher. Die oberste Führungsriege in der Bank war in sich ein geschlossenes System, das sich mit dicken Türen und Tresoren von der Belegschaft abschottete. Kommuniziert wurde per Zetteln, die in Briefkästen gelegt wurden und ausgeführt wurde, was von oben angeordnet war.

Warum haben sich die Angestellten das gefallen lassen, all diese Intransparenz, diese Abgehobenheit der Chefetage? „Man hat sich daran gewöhnt“, so die Antwort. Man hatte sich daran gewöhnt und weggeschaut. Schließlich gab es ja auch genug Nutznießer*innen des autoritären Gönners. Solche Systeme kennen wir auch aus anderen Zusammenhängen, auch in der Politik. „Wennst was brauchst, geh zum Pucher“, wussten viele in der Szene. Keiner fragte, woher all das kam, was da großzügig verteilt wurde. Dieses Wegschauen im Kleinen führt zu Betrügereien im großen Stil. Auch das kennen wir aus anderen Zusammenhängen.

Einfluss in Sport und öffentliche Hand

Was mir auch klar wurde an diesem ersten Befragungstag: Die Verstrickung zwischen Bank und Sport ist noch viel stärker, als ich es mir bislang vorstellen konnte. Eine Auskunftsperson drückte es so aus: „Ein Ja ist ein doppeltes Ja und ein Nein ein doppeltes Nein in der Kombination Bank und Fußball.“ Wir erkennen ein Netzwerk, dessen Mittelpunkt und Regisseur Marin Pucher war. Wie tief das auch in Personalentscheidungen und Abläufe in Gemeinden und Verwaltungsapparate hineinging, wird noch zu untersuchen sein.

Gernot Blümel trägt nichts zur Aufklärung bei

Geladen war an diesem ersten Befragungstag auch Finanzminister Gernot Blümel. Da der Commerzialbank-Untersuchungsausschuss ein Ausschuss eines Landtags ist, der Angelegenheiten von Politik und Verwaltung des Landes untersuchen kann, war klar, dass Bundesstellen keine Verpflichtung haben, Unterlagen zu liefern. Darauf hatte ich in den Besprechungen der Klubs mehrfach hingewiesen. Die SPÖ wollte unbedingt, dass der ÖVP-Minister dennoch geladen wird und die anderen Parteien sperrten sich nicht dagegen. Die Befragung war aber nicht nur aus diesem Grund enttäuschend. Gernot Blümel wiederholte in glasklarer ÖVP-Diktion, dass er zur Aufklärung dieses „burgenländischen Bankskandals“ (ich habe nicht mitgezählt, wie oft er diese Formulierung einfließen ließ) beitragen wolle. Es verweigerte dennoch jegliche Zusage an Lieferung von Unterlagen, obwohl ihn der Verfahrensrichter inständig, fast flehend darum gebeten hatte. Und er wollte auch auf meine Nachfragen keine persönlichen Einschätzungen zu Vorkommnissen und Aufsichtsabläufen mitteilen. Das hätte ich mir von einem Finanzminister der Republik schon erwartet. Wir konzentrieren uns also ab nun ganz auf die Aufklärung der Verstrickungen, Fehlentscheidungen und das Wegschauen und das damit verbundene mögliche Aufsichtsversagen im Burgenland.

Wegschauen im Kleinen führt zu Korruption in großem Stil

Die Befragung von Franziska Klikovits, Vorständin der Bank und Komplizin Martin Puchers begann mit einer Erklärung der Auskunftsperson, in der sie erzählte, wie sie in jungen Jahren begann, Ungereimtheiten zu decken, immer tiefer in die Machenschaften einbezogen wurde und später nicht mehr herausgekommen war. Eine Befragung konnte an diesem Tag leider nicht mehr stattfinden, aber es wurde vereinbart, dass Frau Klikovits noch einmal geladen wird.

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