Männerfreundschaften entscheiden im Land


Im VIP-Zelt werden Karrieren geschmiedet

Nach zwei intensiven Befragungstagen trennen sich zwei Ebenen deutlich voneinander: Die erste Ebene betrifft das Versagen der Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungskanzlei TPA und die damit verbundene Aufsicht durch die FMA. Die zweite Ebene betrifft die schlampigen Entscheidungs- und Prüfprozesse auf Landesebene. Mit der ersten Ebene dürften wir im Untersuchungsausschuss im Burgenland ziemlich durch sein. Weder gehört das Versagen von Organen des Bundes zum Untersuchungsgegenstand – worauf der Verfahrensanwalt und die Staatsanwälte wiederholt hinweisen -, noch gibt es eine rechtliche Grundlage dafür, dass Vertreter*innen der Organe des Bundes im laufenden Strafverfahren zur Commerzialbank-Insolvenz dem Landes-U-Ausschuss Auskünfte erteilen. Insofern gab es seitens des FMA-Vertreters, Christian Saukel und der Vertreter*innen der Staatsanwaltschaft, Johann Fuchs und Alexandra Baumann, keine nennenswerten neuen Auskünfte. Der Leiter der OStA Johann Fuchs drückte das so aus: „Ich habe keine Wahrnehmung, von der ich meine, dass sie diesen Untersuchungsgegenstand irgendwie betreffen.“

Der Fußballverein als Drehscheibe und Identitätsmerkmal eines ganzen Bezirks – und darüber hinaus

Sehr gesprächig war hingegen die Ehefrau von Martin Pucher, die sich an diesem Tag ihren Kummer von der Seele sprach. Sie erzählte, wie ihr Mann ihr mitteilte, dass die Bank geschlossen würde und wem sie diese Information weitergab. Sie entschuldigte sich für das große Leid, das ihr Mann mit seinen schrägen Geschäften so vielen Menschen bescherte und beteuerte, offen und umfangreich Auskunft geben zu wollen. Viel erzählte sie auch über das Treiben im Mattersburger Fußballverein SVM, wo Martin Pucher sein Leben verbrachte, wenn er nicht gerade mit der Bank beschäftigt war. Commerzialbank und SVM hatten etwas von einer Symbiose und der Bankchef hatte auch beim Fußball fest die Zügel in der Hand, auch das Verteilen von großzügigen Geschenken. Bis 2012, als im Strafgesetzbuch die „Vorteilsannahme“ für Amtsträger*innen verboten wurde, war es im SVM üblich, VIP-Karten und andere Geschenke zu verteilen. Einzelne Geschenke wurden auch in späteren Jahren an Politiker*innen übergeben, worüber wir seit dem Rücktritt von ex-Landesrat Christian Illedits Bescheid wissen. Darüber wusste aber Frau Pucher selbst nichts Näheres zu sagen.

Nach der Bedeutung des gesellschaftlichen Lebens im VIP-Zelt gefragt, antwortet Frau Pucher umso umfangreicher, war es doch Aufgabe der Frauen, dafür den Rahmen zu gestalten: „Dort kamen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Dort wurden Karrieren geschmiedet.“ Dort wurde auch viel Geld gesammelt und den Bezirkshauptmannschaften zur Übermittlung an Familien in Not gespendet, wie auch Bezirkshauptfrau Franziska Auer bestätigte. Bis 2015, als jäh das fröhliche Leben den Bach hinunter zu rinnen schien. 2015 – das Jahr, in dem sich der erste Whistleblower an die Behörden wandte und auf Malversationen aufmerksam machte. 2015 – das Jahr, in dem Martin Pucher seinen ersten Schlaganfall hatte. Aufrecht erhielt sich, dass der Fußballverein der Volksseele zu einem kollektiven Gefühl des Stolzes verhalf, was auch dazu führte, dass man nicht hinterfragte, woher das ganze Geld kam, das den SVM so groß machte.

Führte eine Männerfreundschaft und der Fußball zur Übernahme der Revision?

Einer zentralen Frage nähern wir uns am Tag 9 im U-Ausschuss zum Aufsichtsversagen rund um die Causa Commerzialbank: Was hat die Landesregierung 1994 dazu bewogen, die Revision für die Haupteigentümerin eines neuen Bankinstituts zu übernehmen? Jahrelang wurde schlampig geprüft, ob der vom Land beauftragte Revisor die Revision der Personalkreditgenossenschaft korrekt erledigte und schon wenige Jahre nach der Revisionsübernahme war klar, dass so eine Aufgabe einen Fremdkörper in der Landesverwaltung darstellte, den man 20 Jahre später vergeblich versuchte wieder los zu werden. Auf eine schlüssige Spur brachte uns nach meinem mehrmaligen Nachfragen ein Gedanke des früheren Leiters der Finanzabteilung, Engelbert Rauchbauer, der sagte: „Es ist nur so eine Idee von mir und das ist vielleicht nicht korrekt. Mein Vorgänger in der Finanzabteilung war Hofrat Talos, der auch Präsident des Fußballverbandes war. Sein Verhältnis zum damaligen Landeshauptmann Karl Stix war ein recht gutes.“ Hat also eine Männerfreundschaft zwischen einem Fußballfunktionär und einem Landeshauptmann zur Übernahme der Revision für eine Kreditgenossenschaft geführt, obwohl das Land selbst überhaupt keinen Nutzen davon hatte?

Mehr und mehr komme ich zu der Auffassung, dass es für ein Land nicht gut ist, wenn sich seine wesentlichen Verantwortungsträger in Vorständen von Fußballklubs tummeln. Das scheint bei manchen die sachliche Entscheidungsfähigkeit nachhaltig zu beeinträchtigen.

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