Politische Fortbildung hat ihren Preis

Heute war ein Tag, an dem viele Gäste im Bistro Anmerkungen zu meiner aktuellen Jobtour angebracht haben.  Immer wieder kommt die Frage nach dem Geld. Und gerade in Bezug auf die ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sozialbereich und in der Pflege, aber auch in Bezug auf die schlecht bezahlten (Halbtags-)Jobs werde ich gefragt: „Wenn Sie von der Partei jetzt kein Geld bekommen, wovon leben Sie denn dann? Sind der Aufwand und der finanzielle Verzicht nicht sehr groß dafür?“

Für mich ist dieses Jahr ein Jahr der Fortbildung für politische Arbeit. Fortbildung kostet etwas.  Natürlich hätte ich es ganz konventionell angehen können und das tun,  was andere PolitikerInnen auch tun (womit man ja auch durchaus Erfolg haben kann). Das ergäbe zum Beispiel folgende Investitionen (aus realen Angeboten zusammengestellt):

– Lehrgang in „Führung, Politik und Management“: € 12.000,-
– NLP-Kurse (hat bei M. Strolz gut geklappt!):             €   1.800,-
– 1 Woche „Verhandlungen führen“ :                                  €   1.200,-
– 2 Tage „Wie vermarkte ich mich richtig?“:                     €   1.190,-
– 2 Tage „Überzeugen und manipulieren“:                       €   1.420,-
– 2 Tage „Reden mitreißend gestalten“:                             €      920,-
– 2 Tage „Überzeugen mit Persönlichkeit“:                      €  1.490,-

Macht in Summe an Weiterbildungskosten €  20.020,-.
Dazu kommen Aufenthalts- und Verpflegungskosten in diversen Seminarhotels sowie die Fahrtkosten.

Durch das Zurücklegen der Landesgeschäftsführung entgehen mir im Jahr 2014 ca. € 21.000,- an Einnahmen.  Das ist die Investition in meine Art der Fortbildung.
Ich übe weniger Theorie, Kommunikationstechniken, überzeugen, beeinflussen, manipulieren, verhandeln, mitreißen. Das ist sicher auch wichtig (naja, das Manipulieren will ich gar nicht üben, das passt nicht zu meinem Verständnis von Demokratie).  Ich übe dafür mehr Praxis, Arbeitstechniken, einschulen lassen, mich korrigieren lassen, immer schauen, wo ich grad gebraucht werde, bedienen, pflegen, sauber machen, mit wenig Geld auskommen, pendeln. Tag für Tag. Hautnah.

Ich will hier keine Politidylle zeichnen, in der man nur ein guter Mensch zu sein braucht, um die passenden Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden und die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen. Politik ist ein hartes, anstrengendes Geschäft, das viele Kompetenzen erfordert. Ich will nur zeigen, dass das, was ich in meinem „Lehrjahr“ mache, ebenso Einschulungs- und Fortbildungswert für die Landespolitik hat wie all die großartigen Seminare, Lehrgänge und Workshops. Das Interessante für mich ist, dass es kaum jemanden verwundern würden, wenn ich in diesem Jahr die oben errechneten 21.000 Euro ausgeben würde. Auf ebenso viel als Einnahmen zu verzichten, um die Möglichkeit zu haben, sich Alltagskompetenzen für das Arbeiten als Politikerin anzueignen, irritiert jedoch viele.

 

2 Gedanken zu „Politische Fortbildung hat ihren Preis“

  1. Der Blog beschreibt NUR auf was Sie FREIWILLIG verzichten. Sie haben die Frage NICHT vollständig beantworten.
    WOVON LEBEN SIE; oder anders gefragt WER MUSS DAS BEZAHLEN.

    1. Die aufgezählten Fortbildung, die etwas kosten, absolviere ich nicht. Das muss also niemand bezahlen. Ich lebe von dem, was ich in meinen Jobs eben verdiene, von den Einkünften aus meinem Gemeinderatsmandat in Eisenstadt (269 Euro minus 100 – 200 Euro an Ausgaben für die politische Arbeit) und dem, was ich mir in den letzten Jahren erspart habe. Kurz: ICH bezahle das.

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