Über Gäste spricht man nicht

Also, G’schichterln hätte ich jetzt schon etliche zu erzählen. Einige Gäste reden ja recht gerne mit mir. Zum einen kann ich mir in der Hektik des Bestellungen Aufnehmens, Bonierens (= Bestellungen elektronisch erfassen), Getränke Herrichtens, Servierens, Abrechnens und Tisch wieder schön Machens vieles gar nicht merken und habe bis zum Abend, wenn ich dann am Computer sitze, zwei Drittel schon wieder vergessen. Zum anderen kann ich das einfach aus meinem Berufsethos heraus nicht tun. Als Beruf meine ich jetzt die Tätigkeit als Kellnerin, nicht die Politik. Die ist ja zur Zeit nicht mein Beruf.  Wenn ich hier schildere, wie das so ist mit jenen, die auf Firmenrechnung gut essen und sich bei einem Betrag von € 81,50 auf € 83,00 herausgeben lassen, wobei der Clou auch darin besteht, von welcher „Firma“ sie kommen, dann verrate ich diese Leute ja förmlich. Alle BlogleserInnen aus Eisenstadt und Umgebung könnten die geschilderten Personen sofort identifizieren. Aber das sind eben unsere Gäste und die sollen ohne Angst, sich am nächsten Tag auf meinem Blog wiederzufinden, ihr Essen im Bistro genießen können. Wenn ich von dem für mich fast rührenden Gespräch mit zwei pensionierten Wirtschaftstreibenden erzähle, dann braucht es nur ein weiteres Detail und ich verrate, wer es war – das kann ich diesen netten Männern doch nicht antun! Und, wie bereits unlängst erwähnt, ich arbeite hier als Kellnerin und nicht als Journalistin. Also: Keine Erlebnisse mit Gästen oder Bomots von KollegInnen.  Es wäre nicht fair. Obwohl einiges schon sehr nett wäre …. Aber das erlebt man eben nur, wenn man diese Arbeit selbst macht.

Nur so weit: Wenn diejenigen, die mir gegenüber in den letzten Wochen ihre Bewunderung und Hochachtung für das, was ich gerade tue, ausgedrückt haben, mich in einem Jahr auch wählen würden, dann hätten die Grünen im Burgenland das zweite Mandat schon fast in der Tasche. Aber es ist mir schmerzlich bewusst, dass es ein langer, manchmal unüberwindbarer Weg vom Gutheißen des Handelns einer Politikerin bis zum Kreuzerl für ebendiese ist. Da hätte ich dann doch lieber  weniger Bewunderungsbezeugungen und mehr X auf den Stimmzetteln.

Heute renne ich zwischen den Tischen und der Bar hin und her. In einem Jahr werde ich um jede Stimme rennen müssen. Und wenn ich viel Glück habe, dann rennt der eine oder die andere „So soll Politik gemacht werden“-Verbalschulterklopferer irgendwann einmal mit. Weil sie selbst wirklich wollen, dass mit dieser Haltung Politik gemacht wird und weil sie erkennen, dass ich das nicht ohne ihre Hilfe schaffen werde.

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