Geballte Ladung heftiger Lebensgeschichten

Pannonische Tafel, nächster Tag. Soziale Arbeit mit der geballten Ladung heftiger Lebensgeschichten.  Die Halbwaise M. habe ich schon erwähnt. Ein freundlicher Bezirkschulinspektor und eine beherzte Direktorin machen es möglich, dass sie bereits ab morgen in die Vorschule in der Nähe des Arbeitsplatzes ihrer neuen Pflegemutter – außerhalb ihres eigentlichen Schulsprengels, den es für die Volksschulen noch immer gibt- gehen kann. Nach dem Besuch in der Volksschule geht es weiter in die NMS. M.s ältere Schwester freut sich unheimlich, als klar ist, dass auch sie ab morgen in die Schule gehen darf. Wir üben gleich gut gelaunt die wichtigstens Wörter auf Deutsch. Habe ich eigentlich schon jemals eine 13 -Jährige gesehen, die fröhlich klatschend herumhupft und ruft „skul, skul, skul!“?
Auch auf der VHS werden wir freundlich empfangen und die 17-Jährige Schwester kann unverzüglich in einen Deutschkurs einsteigen.

Etwas trister ist die Lage in der Obachlosenherberge. Der Strom ist gerade mal wieder abgeschaltet, weil dem Verein im Moment das Geld zum Bezahlen der Rechnungen fehlt. Da es laut zuständigem Soziallandesrat Peter Rezar im Burgenland kein Obdachlosenproblem gibt, sieht er es nicht in der Zuständigkeit der Landesregierung, verlässliche finanzielle Unterstützung zuzusagen.  Alles liegt in den Händen einzelner engagierter Einzelpersonen (zumindest in Eisenstadt; in Oberwart hat die Caritas ein Haus mit Obdachelosen-Schlafplätzen eröffnet). Man lebt von der Hand in den Mund und wird ziemlich allein gelassen. Natürlich werden sich da und dort HelferInnen finden, die bei einer Aktion Sperrmüll wegbringen, putzen und vielleicht sogar einen finanziellen Beitrag zum Abtransport leisten – die öffentliche Hand überlässt alles denen, die sich eh schon in ihrer Freizeit den Arsch aufreißen für die, für die sich sonst keiner mehr interessiert. Da muss sich auf politischer und struktureller Ebene etwas ändern. Das kommt auf die Liste, was es alles für mich in Zukunft zu tun gibt.

Darüber, welches Ausmaß an Professionalität für die Arbeit mit Obdachlosen nötig wäre, werde ich ein andermal schreiben. Dazu möchte ich auch noch mehr Einblick in den Alltag mit Obdachlosen bekommen.

An einer Arbeitsbesprechung habe ich heute auch teilgenommen – mit der Zwischendurchinformation über die Aufkündigung des  Mietvertrags eines Mitarbeiters, der in drei Monaten womöglich mit seiner Familie auf der Straße steht.

Und nun mache ich mich an das Abarbeiten der Arbeitsaufträge, die ich aus der Besprechung mitgenommen habe. Davon aber später.

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