Häme für’s Hackeln

Ich bin ja auch noch Gemeinderätin in Eisenstadt.  Heute hatten wir Gemeinderatssitzung. Nach einer Wortmeldung, die ich mit ein paar Eindrücken aus meinen aktuellen Erfahrungen im Arbeitsalltag in verschiedenen Betrieben in Eisenstadt eingeleitet hatte, richtete der Bürgermeister diese Worte an mich: „Es freut mich, dass du in diesen Monaten Arbeitserfahrungen sammelst. Andere machen das schon jahrelang.“ Ich bin ja sonst eher schlagfertig, aber auf diese Aussage hin kam mir nichts anderes als „Das ist jetzt aber eine Frechheit“ über die Lippen.  Ich konnte es nicht wirklich fassen, dass der Bürgermeister in Ausübung seines Amtes während einer Gemeinderatssitzung derart untergriffig wird. Noch dazu, wo ich davor in keiner Weise irgendetwas Kritisches in seine Richtung gesagt hätte (was sonst durchaus der Fall sein kann, diesmal aber nicht war). Um „emotionale Notwehr“ in einer angespannten Situation konnte es sich also nicht handeln. Es ging ihm anscheinend nur darum, mich herabzuwürdigen.

Der Mann weiß, wovon er spricht, wenn es um persönliche Erfahrungen in der Arbeitswelt geht. Das ist auf der Homepage der Freistadt Eisenstadt nachzulesen. Hier steht zu seinem Werdegang: „Nach der Matura Studium der Rechtswissenschaften; 1991-1996 Klubsekretär im ÖVP Landtagsklub; 1996 – 2000 Büro LHStv.,  2000-2010 Büroleiter; seit 2010 Landtagsabgeordneter; seit 30. November 2011 Bürgermeister der Landeshauptstadt Freistadt Eisenstadt. “ Dass diese Arbeit sehr hart sein muss, zeigt sich in der Bezahlung, schließlich kassiert er das volle Landtagsabgeordneten- und das Bürgermeistergehalt. Und erst die vielen Fototermine. Das ist halt wirkliches Hackeln. Da kann ich einpacken.

Vielleicht war des Bürgermeisters Untergriff aber doch eine Verteidigungshandlung in großer Not. Lag doch in dieser Sitzung ein Bericht des Prüfungsausschusses vor, der auf meine Anfrage hin aufzeigte, dass drei ÖVP-Gemeinderäte als Privatunternehmer Aufträge von der Stadtgemeinde bekommen, zwei davon gar nicht so wenig. Da geht es um Summen von 22.100,- Euro für den einen bis durchschnittlich 45.000,- Euro für einen anderen. Im Jahr. Sich wiederholend. Ich kritisiere schon lange, dass Gemeinderäte (der regierenden Mehrheitsfraktion) gleichzeitig  von Aufträgen durch die Stadtgemeinde ihr Einkommen sichern. Da gibt es für mich eine Unvereinbarkeit. Die gibt es übrigens in der Burgenländischen Gemeindeordnung auch, die aber wiederum nicht für Eisenstadt gilt, weil die Landeshauptstadt als Freistadt ein eigenes Stadtrecht hat.

Vielleicht also waren des Bürgermeisters Untergriffigkeiten einfach Verteidigungshandlungen zum Schutze seiner Parteifreunde. Das ist die psychologische Erklärung, politisch kann ich so ein Verhalten nicht akzeptieren. Auch nicht an einem Tag, an dem ich bei der Gemeinderatssitzung schon müde bin, weil ich für meinen (ehrenamtlichen) Dienst im Pflegeheim den Zug um 5.45 Uhr erreichen musste. Aber davon erzähle ich ein andermal.

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