Veranstaltungsbesuche: Das Pendeln zwischen zwei Welten

Es ist die Zeit der Premieren und Jubiläumsfeste, der Eröffnungen und Spatenstiche. Und jedesmal befällt mich ein gewisses Unbehagen, wenn die offziellen Feierlichkeiten mit den Wortspenden zu Ende bzw. die Pausenzeiten eingeläutet sind. Dann nämlich ist die Phase der „gesellschaftlichen Segregation“.

Exkurs (zitiert nach Wikipedia): „Segregation bezeichnet den Vorgang der Entmischung von unterschiedlichen Elementen in einem Beobachtungsgebiet. Man spricht dann von Segregation, wenn sich die Tendenz zu einer Polarisierung und räumlichen Aufteilung der Elemente gemäß bestimmter Eigenschaften beobachten lässt. Das Beobachtungsgebiet ist entlang bestimmter Merkmale segregiert, wenn eine bestimmte Gruppe oder ein spezifisches Element in Teilen des Beobachtungsgebietes konzentriert auftritt, in anderen dagegen unterrepräsentiert ist.“

Bei der Eröffnung der „AIDA“ im St. Margarethener Steinbruch beispielsweise wurden besondere Gäste – die zur Kennzeichnung, dass sie solche sind, ein Bändchen um das Handgelenk trugen – auf eine Terrasse eingeladen, in der sich nur ihrereiner aufhalten durfte, während „das gemeine Volk“ sich auf der unteren Ebene tummelte. Bei der Premiere der „Anatevka“ in Mörbisch sammelte sich die Promi-Gesellschaft in der Pause auf der Ebene vor der ersten Reihe. Dort blieb man mit Getränken versorgt hübsch unter sich.  Was genau kredenzt wurde und ob man, so wie alle anderen auch, für die Getränke bezahlen musste, weiß ich nicht. Ich bin nicht hingegangen. Da waren so viele andere interessante Menschen. Bei vielen Veranstaltungen gibt es dann eigene Tische für die Ehrengäste. Das ist nett und zuvorkommend, erspart man sich doch das Suchen nach einem Platz und bedient wird man noch dazu. Aber wohl fühle ich mich nicht dabei.

Ich mag diese Aufteilung in Promigesellschaft und „Volk“ nicht. Nicht, dass unter den Ehrengästen nicht auch nette, sympathische Leute wären, mit denen ich gerne plaudere.  Weil sie nette Menschen sind, nicht, weil sie Promis sind. Für mich ist es manchmal unerträglich, wie eine gewisse Auswahl aus PolitikerInnen, Wirtschaftstreibenden und anderen Prominenten beständig unter sich bleiben (wollen?).  Hier wird eine Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen aufgetan und zementiert, die nur für ein paar Fotos, die BürgerInnennähe dokumentieren sollen, übersprungen wird. Ich komme mir manchmal wirklich so vor, als würde ich zwischen zwei Welten pendeln. Zwei Welten, aus denen aus völlig unterschiedlichen Perspektiven auf das Leben, die Welt und unser Zusammenleben geschaut wird. Beide Perspektiven sind wichtig, gerade in der Politik. Aber es ist meines Erachtens immer wichtig zu wissen, von welcher Perspektive man gerade auf ein Problem, eine Herausforderung, eine Fragestellung schaut und aus welcher Perspektive heraus man diese beurteilt und nach Antworten sucht. Ohne diese Differenzierung bleibt man in der eigenen Betrachtungswelt gefangen.

Und so bitte ich alle VeranstalterInnen, deren Promi-Ecken und Ehrentische ich verlasse, um mich auch ohne Begleitung eines Fotografen unters Volk zu mischen, um Verständnis und Nachsicht. Ich komme ja wegen der Veranstaltung, aufgrund meiner Wertschätzung für die VeranstalterInnen und meines Interesses an den Leuten, die ich vor Ort treffe. Ich bitte, es nicht als mangelnde Aufmerksamkeit zu interpretieren, wenn ich das Angebot der Sonderbehandlung nicht in Anspruch nehmen will. Eine so gestaltete Promi-Rolle liegt mir einfach nicht. Das kann ich nicht. Ich tu lieber das, was ich kann und wirklich gerne mache: den ganz normalen Leuten zuhören und mit ihnen reden. Sicher entgeht mir dadurch hie und da eine „Insider-Information“ oder eine Hintergrund-Mauschelei. Aber das, was ich von den Menschen, mit denen ich bei solchen Gelegenheiten in Kontakt bin, mitbekomme, ist mir – persönlich und für meine politische Arbeit – einfach sehr wichtig.

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