An der Schnittstelle von Ehrenamt und Professionalität

Heute habe ich vor allem im Büro zu tun. Ein gemeinnütziger Verein wie die Pannonische Tafel muss immer wieder aufs Neue Spenden und SpenderInnen lukrieren. Ich helfe also, Mails zu formulieren, Kontakte herzustellen und Ideen zu entwickeln. Zugegeben, das ist jetzt nichts ganz Neues für mich. Eines wird für mich aber sehr deutlich – und das sollte ich mir für die Politik unbedingt merken: Vereine, die durch das intensive persönliche Engagement wachsen, wachsen nicht automatisch in der Professionalität ihrer Arbeit. Zu einem großen Teil schöpfen sie die Kraft für ihr gesellschaftlich so wichtiges Handeln eben aus einem unmittelbaren persönlichen Antrieb. Die Energie dieses Antriebs wird unter Umständen dadurch gebremst, dass auch von Ehrenamtlichen höchst professionelles Arbeiten und all das, was damit verbunden ist, erwartet wird. Menschen, die aus innerem Antrieb – nennen wir es z.B. Nächstenliebe oder Kampf gegen als unerträglich empfundene Ungerechtigkeiten – Großartiges für andere Menschen leisten, sind nicht unbedingt MeisterInnen der Behördenwege. Oder im Antrag-Formulieren. Oder im Verstehen von Verordnungen. Diese Menschen wollen einfach helfen und stoßen oft auf Unverständnis, wenn sie nicht verstehen, warum es auf der anderen Seite wichtig ist, dass sich z.B. BeamtInnen an vorgegebene Verfahrensweisen halten. Viele ehrenamtlich Tätige arbeiten in hohem Maß professionell, mitunter sogar professioneller als so manche/r, der oder die die gleiche Tätigkeit beruflich ausüben. Aber das ist wieder etwas anderes.
Mir ist heute klar geworden, dass ich mich mit dieser Schnittstelle von Ehrenamt und Professionalität noch eingehender auseinandersetzen möchte. Es müssen nämlich nicht nur Ehrenamtliche lernen, mit den Erfordernissen professionellen Arbeitens im öffentlichen Bereich umzugehen, wenn sie von eben jenem finanzielle Unterstützung brauchen. Es müssen auch Behörden und politisch Verantwortliche lernen, mit der Unmittelbarkeit aus persönlichen Lebenserfahrungen handelnden Menschen umzugehen, die in ihrem zivigesellschaftlichem Engagement mit den Regeln der Bürokratie in Konflikt geraten können.

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