Einkommen und (r)auskommen

9,40 Euro Parkgebühr! Das eigene Kind vom Flughafen abholen (nein, um diese Zeit gab es keine öffentliche Verkehrsverbindung von Schwechat nach Eisenstadt) führt in Zeiten des geringen Einkommens zu in der Tat bedrohlichen Kurzzeit-Schocks. In diesen Monaten, in denen ich versuche, immer nur dann etwas von meinen Sparrücklagen auf mein Girokonto zu überweisen, wenn dieses durch die wohl überlegten Alltagsausgaben von Überziehung bedroht ist, wird mir noch einmal mehr bewusst, in welcher Situation Menschen sind, die viele Jahre, vielleicht sogar ein Leben lang von Mindestlohn oder Mindestsicherung leben müssen. Und das sind viele.

Mit FreundInnen etwas essen gehen? Da muss ich erst berechnen, ob die Ausgaben, die für diese Woche für Lebensmittel zugeteilt sind, noch einen Spielraum lassen. „Kommst du mit ins Konzert?“ Würde ich ja gerne, aber die Karte kann ich mir gerade nicht leisten. Urlaub? Ich bin ganz stolz, für meinen 4-Tage-Urlaub im August ein Quartier für € 15,- pro Nacht gefunden zu haben. Zum Glück habe ich keine ReisepartnerInnen, denen der dafür gebotene Komfort zu minder ist. Einer Einladung zu einem Geburtstagsfest nachkommen? Hoffentlich findet das Geburtstagskind mein bescheidenes Geschenk nicht lächerlich. Jemanden besuchen fahren? Wenn ich früher wegfahre, kann ich Benzin sparend unterwegs sein. Das ist für den Kontostand dringend nötig. Mit meinen Kindern noch etwas Nettes unternehmen und dann auf ein Eis gehen? Der Ausstellungsbesuch mit dem Sonderprogramm ist heuer finanziell schon grenzwertig, einmal Eis ist drinnen. (Was für ein Glück, dass sie aus dem Märchenpark-Alter heraußen sind!) Jetzt ist auch noch die Einzahlung für die Sprachreise der Tochter im Herbst mit der Schule fällig. Die kostet in Summe mehr, als ich in einem Monat verdiene. Und bei der Benefizveranstaltung beobachtet sicher mindestens eine Person, wieviel Geld ich ins Körbchen lege und ob ich als „knausrig“ einzustufen bin.

Ich will kein Mitleid und ich bin keine Heldin. Ich habe mir diese Situation selbst ausgesucht und weiß, dass sie zeitlich begrenzt ist. Aber ich bin froh, dass ich diese Erfahrung mache; wieder einmal, als Studentin ging es mir ähnlich. Vor allem hoffe ich, dass viele, die mit mir in dieser Lebensphase zu tun haben, begreifen, wie sehr unzählige Menschen jahrelang und unausweichlich damit zu kämpfen haben, nicht mit dem Mainstream mithalten zu können. In den eigenen vier Wänden bescheiden zu leben, das geht, das richtet man sich ein und entwickelt Strategien der Sparsamkeit. Aber da gibt es noch die Welt da draußen, an der man teilhaben will. Und man wird auch daran gemessen, wie sehr und in welcher Weise man daran teilhat und am sozialen, kulturellen, sportlichen und Event-Leben teilnimmt.

Das macht Stress. Mir weniger, weil ich ja immer auf meine Ersparnisse zurückgreifen kann. Bis Ende 2014 geht sich das schon aus. Aber für andere ist das Alltag, immer, jedes Jahr. Ich kann jetzt besser mitfühlen, wie es jenen geht, die ihr Kind nicht auf eine Geburtstagsparty gehen lassen, weil sie beim erwarteten Geschenkestandard nicht mithalten können. Ich weiß jetzt besser um die Nöte derer, die nie mitreden können, wenn es um Festivals, Theateraufführungen, die neuesten Kinofilme und Bestseller oder Restaurantspezialitäten geht. Oder auch nur darum, die hässliche Delle am Auto ausbessern zu lassen.

Ich will das nie vergessen. Das ist das Persönliche.
Ich will etwas dazu beitragen, dass weniger Menschen diesem schambesetzten Lebensgefühl ausgesetzt sind. Das ist das Politische.

 

Ein Gedanke zu „Einkommen und (r)auskommen“

  1. Liebe Regina,
    viele der Grünwähler sind aus „gutem Haus“ und kennen die beschriebene Situation wohl kaum.

    Wir leben seit 25 Jahren ohne fixes Einkommen. (keine tollen Flugreisen, Auto unter 10 tkm/Jahr, Kleidung vom Fetzenmartk, fast alles selber machen, Selbstversorung) . Aber kein Mangel!
    Alles da was wir möchten und brauchen. Und vertäglich für die Welt!!
    Also höchste Lebensqualität, aber eben nicht mainstream!

    Die Wählerstimmen der Grünen liegen in der „Unteren Schicht“.
    Nur müssen wir das Gefühl „weniger ist mehr“ Geselschaftsfähig machen.
    lg
    rik

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