Absolute Freiheit und unaufhörliche Abhängigkeit

Als ich heute bei einer Veranstaltung wieder im Regen stand, machte ich mir nicht um die zu nehmende Feuchtigkeit meiner Kleidung Sorgen. Ich fürchtete um die Weinlese und dachte an die wirtschaftlich verheerenden Folgen für die Landwirtschaft. Äcker stehen unter Wasser, Paradeiser verfaulen und die Trauben können nun wirklich keinen Regen mehr vertragen. Es ist zum Weinen. Die für morgen geplante Weinlese fällt im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser. In diesen Tagen ist mir die Abhängigkeit  jener, die von der Landwirtschaft leben, besonders schmerzlich bewusst. Gerade die kleinen Familienbetriebe, die Ausfälle nicht durch andere Geschäftszweige ausgleichen können, sind mitunter in ihrer Existenz bedroht.

Andererseits schwärmen Bauern und Bäuerinnen von der Freiheit, die sie in ihrem Beruf haben. Da steht niemand über ihnen, der ihnen Stress macht oder mit dem ein freier Tag auszuhandeln ist. Da wird selbst entschieden, worin investiert wird und welche KundInnen man persönlich und intensiv betreut (und welche man auch mal ziehen lässt).  „Eigentlich hat man als Bauer oder Bäuerin ja nur einen unantastbaren Vorgesetzen: das Wetter“, drückt es meine aktuelle „Chefin“ auf einem unterhaltsamen Blog aus (http://www.biohof-klampfer.at/wir/blog/), ohne zu vergessen darauf hinzuweisen, dass es da auch noch Abhängigkeiten von Kreditgebern und der AMA gibt. Aber diesen widme ich mich mal extra, das würde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen.

Eines ist jedenfalls klar: Die Ziegen müssen jeden Tag gemolken werden, da hört sich die Freiheit auf. Also werde ich morgen wieder um 5.30 Uhr im Stall stehen. Dafür habe ich auch die Freiheit, zum Frühstück mit meiner Tochter nach Hause zu gehen. Quasi nass, aber frei.

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