How to use the Wohnzimmer

Ich sollte jetzt gerade einen anderen Text schreiben, in einem Genre, das mir nicht geläufig ist. Die Aufgabe des Abends wäre es, eine Gebrauchsanleitung zu verfassen. In meiner ersten Woche in der Pannonischen Tafel ist mir nämlich aufgefallen, dass die besten Sozial- und Begegnungsinitiativen nicht greifen können, wenn nur eine kleine Minderheit sie anzuwenden versteht. Aktuell geht es um Folgendes: Das lokale Herzstück der Pannonischen Tafel in Eisenstadt ist das sogenannte Wohnzimmer in der Neusiedlerstraße 1. Das ist eine ehemalige Lagerhalle, die mit viel Engagement und Liebe in ein gemütliches Zimmer mit Küche umgewandelt wurde. Hier kann man einfach miteinander plaudern, abends finden immer wieder (Kultur-)Veranstaltungen statt und wochentags gibt es täglich ein frisch gekochtes Mittagessen. Aus dem, was in der Früh von Supermärkten geholt wurde und dem, was gerade im Lagerraum zu finden ist, was also durch die Tafel  im Produktionsprozess bleibt und nicht frühzeitig vernichtet wird, wird ein mitunter dreigängiges Menü gezaubert. Für wen? Für alle, die es brauchen und für alle, die es genießen wollen:  Obdachlose, BeamtInnen, Angestellte, StraßensängerInnen, Jugendliche, Arbeitslose, Chefinnen und Zeitungsverkäufer. Im Wohnzimmer treffen einander Menschen, die in ihrem Leben da draußen wohl kaum etwas miteinander zu tun hätten. Die einen bekommen hier kostenlos ihre tägliche warme Mahlzeit, die anderen geben eine freiwillige Spende als Beitrag, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Personalkosten sind ja keine zu zahlen, weil hier alle ehrenamtlich arbeiten.

Das Problem ist nur: Für viele gut situierte BürgerInnen ist es schwer, den ersten Schritt ins Wohnzimmer zu tun. Wer weiß, was einen dort erwartet? Das Wohnhzimmer hat keine Empfangsdamen und keine konventionelle Etikette. Man holt sich sein Essen selbst, wird aber dann doch wieder bedient. Man muss nichts zahlen, sollte aber auf die Spende nicht vergessen. Und wo zum Kuckuck gebe ich meine Jacke hin? Ach ja, in der Nähe der Türe war ja eine schon üppig behängte Kleiderablage, aber die fällt ob der Faszination des Raumes, der auf einen wirkt, beim Eintreten kaum auf. Noch dazu, wo gleich nach der Eingangstür zunächst einmal der Altkarton-Stapel auf seine Entsorgung wartet. Wer sich bei seinem ersten Besuch so weit in das Ungewisse wagt, fragt sich sobald, wo man sich hier niedersetzt. An die lange Tafel, wo schon vereinzelt Menschen sitzen, die zum Teil miteinander sprechen, zum Teil allein vor sich hinlöffeln, oder an einen Tisch am Rand, auf dem aber vielleicht grad kein Wasserkrug steht?

Und so stellen sich Fragen um Fragen, ehe man noch dazukommt, sich darüber Gedanken zu machen, wen man fragt, wo das Besteck zu holen und die Spende zu hinterlassen sei. Ich finde es wirklich schade, wenn diese großartige Idee, seine Mittagpause in diesem multi-sozialen Raum zu verbringen, nicht so recht zu ihrer Umsetzung findet, weil beim Einstieg die Orientierung fehlt. Darum ist mein nächster Text die Gebrauchsanleitung für Neueinsteiger, damit auch sie wissen, wie das Wohnzimmer zu nutzen und zu genießen ist.

Für VeganerInnen ist das Wohnzimmer der Pannonischen Tafel übrigens die Nummer 1 in Eisenstadt. Aber – selbst ausprobieren ist die Devise. Und kochen werde ich dann auch mal hier.

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