Perspektivenwechsel beim Kochen

Heute habe ich in der Pannonsichen Tafel gekocht. Und ich war vorher einigermaßen nervös, denn ich kochte in einer Küche, die nicht meine war mit Zutaten, die ich vorher nicht kannte für eine unbestimmte Anzahl von Menschen. Mit meiner Kochpartnerin war es auch eine Premiere, aber das machte mir überhaupt keine Sorgen. Wir zwei würden sicher unseren Spaß haben.  Um es kurz zu machen: Es ist ein bekömmlicher Gemüseeintopf mit Couscous und Penne und ein veganer Zitronenkuchen geworden und Inge Posch-Gruska und ich haben sich als erfolgreiches Kochteam erwiesen.

Da es in meinem „Lehrjahr“ aber nicht um meine Fortschritte bei Küchenkünsten geht, will ich auf eine andere Erfahrung des heutigen Tages eingehen. Die Nahrungsaufnahme orientierte sich nämlich nicht an einem aktuellen Gusto (vgl.  http://de.wikipedia.org/wiki/Gusto), wie wir es sonst gewohnt sind, sondern an den aktuell vorhandenen Ressourcen. Zuerst wird geschaut, was da ist, dann wird entschieden, was daraus gekocht wird. Und ich denke daran, wie oft im Kühlschrank tagelang Sachen liegen bleiben und mitunter schlecht werden, weil gerade niemand in der Familie Lust darauf hat. Viele Menschen können sich derart luxuriösen Umgang mit Ressourcen nicht leisten. Das altmodische „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“ mutiert zu „gekocht wird, was im Kühlschrank liegt“.

Und meine Gedanken leiten mich weiter: Wie anders würde unser Leben aussehen, wenn wir immer zuerst darauf schauten, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen und dann erst entschieden, was wir damit machen.

Für viele Menschen ist das der Alltag. Da richtet sich das Kochen nicht nach Lust und Laune, sondern nach dem, was eben gerade vorhanden ist. Wer auf diese Weise gut über die Runden kommt, läuft sogar Gefahr, argwöhnisch (von NachbarInnen und Behörden) beobachtet zu werden. Aber wenn sie es nicht so machen, rutschen sie in eine Schuldenfalle. Dann wird gerne über diese Menschen geurteilt, dass sie selbst Schuld seien an ihrer schlechten Lage und dass sie den Wohlfahrtsstaat ausnützen würden und so weiter.  Aber diese Falle hat System, auch politisches. Es gibt riesige Märkte, die mit Ressourcen handeln, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Es gibt zum Beispiel Banken und deren Bosse, die Geld ausgeben, das sie nicht haben oder politisch Verantwortliche, die ein Wort geben, das sie nie wirklich hatten. Dafür kommen auch die SteuerzahlerInnen auf, aber in ganz anderen Dimensionen. Da ist mir ein Sozialsystem, das von einigen möglichweise missbraucht werden kann noch lieber, als ein Finanzsystem, indem der Missbrauch zur Routine geworden ist.

Und dann kommen mir wieder jene Menschen in den Sinn, die argwöhnisch betrachtet werden, weil sie es schaffen, mit den gerade noch vorhandenen Ressourcen – zum Beispiel aus einem Laden einer Tafel – auszukommen.  Da muss (s)ich was verändern.

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