Der Rückschritt kommt schleichend

Der Rückschritt kommt schleichend, aber nicht weniger unauffällig. Es ist erschreckend, wie sehr es sich durch verschiedene Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens durchzieht. Ich spreche von Rollenstereotypen und deren Abbildung im öffentlichen Leben. Dass aus der oberösterreichischen Landesregierung Frauen ganz verbannt wurden, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs, das Sinken der Frauenquote im burgenländischen Landtag ein Symptom. Selbst die SPÖ-Frauen im Burgenland finden nichts dabei, wenn nicht einmal ein Drittel der SPÖ-Abgeordneten Frauen sind.

Ich war in den letzten Wochen auf mehreren Veranstaltungen, bei denen fast ausschließlich Männer das Sagen hatten. Gerade noch als Moderatorinnen scheinen Frauen auf, als kompetente Interviewpartnerinnen sind sie weit weniger gefragt. Frauen werden wieder mehr gelobt für ihre sozialen Tätigkeiten, für ihr freiwilliges Engagement und ihre vielen Hilfsdienste im Hintergrund. Als Repräsentatinnen, Meinungsbilderinnen und Führungspersonen bekommen sie weniger öffentliche Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren. Unlängst wurde ein neues, durchaus interessantes Buch präsentiert: unter sieben Autoren findet sich keine einzige Frau. Jüngst auf einer großen Veranstaltung  wurden nur Männer auf die Bühne für Referate, Präsentationen und sonstige Worte gebeten. Außer im Chor, da durften Frauen auf der Bühne stehen – unter Leitung von Männern.

Bei mir läuten die Alarmglocken, wenn ich den Eindruck bekomme, dass das PlanerInnen von Veranstaltungen, Publikationen und Personalentwicklungen kaum mehr auffällt. Da ist wird nicht einmal mehr darauf geachtet, dass Frauen vorkommen. Da wird nicht mehr gesucht nach jenen Perlen weiblicher Art, die im öffentlichen Leben zu Wort kommen sollten.

Was ich daraus lerne? Wenn wir Frauen aufhören um unsere Plätze in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur, oder auch in den Kirchen zu kämpfen, dann nehmen sich wieder zusehends Männer jene Positionen (heraus), die einflussreich, bestimmend und meinungsbildend sind. Und Frauen lassen es zu.

Wir dürfen nicht aufhören um Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit zu kämpfen. Das sind wir unseren Töchtern schuldig. Und unseren Söhnen auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.