Perspektivenwechsel

Ich geb’s zu, ich bin ziemlich müde. Heute war mein zweiter Arbeitstag beim MERKUR und ich stand von 6 bis 14 Uhr in der Feinkostabteilung. (Danach die ehrenamtliche Arbeit.) Andere Kolleginnen waren schon seit 5 Uhr im Dienst. Oder wie glaubt ihr ist es möglich, dass um 7 Uhr Früh alles für die KundInnen bereitsteht? Da wird geliefert, ein- und aussortiert, gebacken, aufgeschnitten, gereinigt, eingeschlichtet, schön aufgereiht, durchgezählt, sortiert, wieder etwas weggeputzt, gestapelt, entsorgt, nachjustiert, abgezählt, Salat geschnitten, Weckerln gefüllt und abgepackt…. Oje, mein Blog klingt heute ziemlich banal. Noch mehr oje: Kaum eine/r, der/die in den Regalen etwas sucht, sich „bei der Wurst“ anstellt oder eine in den Gängen herumwandelnde Angestellte etwas fragt, hat auch nur einen Tau von einer Ahnung davon, was diese Person in den vergangenen Stunden schon alles geleistet hat, damit wir genüsslich einkaufen gehen können.

Es tut wirklich gut, einmal die Seiten und die damit die Perspektive zu wechseln.

Übrigens: Jammern hab ich noch keine/n von meinen jetzigen KollegInnen in der Feinkost gehört. Bei aller Anstrengung und Schwierigkeiten für ArbeiternehmerInnen im Handel, arbeiten die nämlich gern dort und wissen ihren Arbeitsplatz zu schätzen.
Die vielen Gedanken, die mir bei meinem Perspektivenwechsel durch den Kopf gehen, über die Bewertung von verschiedenen Arbeitsfeldern etwa, erzähle ich ein andermal. Soviel sei verraten: Ich ärgere mich ziemlich über sogenannte Erfolgsgeschichten von „Aufsteigern“ aus Arbeiter- oder Bauernfamilien, die vermitteln, die Tätigkeiten in den Herkunftsfamilien wären weniger wert, weil sie weniger Geld einbrachten oder weniger Einfluss auf andere bedeuteten. Aber wie gesagt, die vielen Gedanken im Kopf werden einmal ausgeführt, wenn ich nicht so müde bin.

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