Kürzungen bei Beratung sind zynisch und ahnungslos

Zuerst Sozialleistungen zu kürzen und dann Frauen- und Familienberatungsstellen finanziell auszuhungern, grenzt an Zynismus pur. 

Anfang April kündigte die Bundesregierung an, bei den Familien- und Frauenberatungsstellen 1 Million Euro zu kürzen. Konkrete Gespräche blieben aber aus. Erst durch einen Blick auf den Kontostand erfuhren viele Beratungsstellen, dass ohne jegliche direkte Kommunikation einfach weniger Geld überwiesen wurde. Wie stellt sich die Regierung vor, dass eine Beratungsstelle arbeitet? Da geht es um Hilfe durch intensives Befassen mit Notsituationen. Man sagt einer Familie nicht einfach: Das war’s wir haben kein Geld mehr, euch bei der Problemlösung zu helfen. Ich habe selbst viele Jahre in einer geförderten Beratungsstelle gearbeitet und weiß, dass Menschen erst dann kommen, wenn sie allein einfach nicht mehr weiter wissen. Wie meint die Bundesregierung, dass mit Arbeitskräften an den Beratungsstellen umgegangen wird? Die soll man einfach mal so kündigen oder von einem Tag auf den anderen Stunden kürzen? Ich frage mich manchmal, auf welchem Planeten die Politiker leben, die solche Entscheidungen treffen.

Zynisch und ahnungslos

Doppelt verwerflich finde ich die Vorgangsweise der Bundesregierung, weil hier eine Personengruppe gleich zweimal von Kürzungsmaßnahmen betroffen ist: Zuerst kürzt man Sozialleistungen, die gerade jene treffen, die sie besonders bräuchten. Und dann verringert man noch die Möglichkeit der Hilfe, mit so bedrückender gewordenen Problemen umzugehen und sie in den Griff zu bekommen. Das ist zynisch, vor allem vielen betroffenen Frauen gegenüber. Diese Kürzungen sind auch volkswirtschaftlich unvernünftig, weil die Folgekosten bei mangelnder Unterstützung von Personen in bedrohlichen Stresssituationen durch Folgeerkrankungen wie Zunahme von Aggression, Depression, Burnout und Suchtgefährdung beträchtlich sind.

Bei Familienministerin Juliane Bogner-Strauß vermisse ich zunehmend die Sachkompetenz, die für dieses Ressort nötig ist. Sie scheint keine Ahnung vom Leben der Frauen und Familien zu haben, die in prekären Verhältnissen, meist in oder am Rande der Armut leben. Die Bundesregierung sollte sich endlich mit der realen Lebenssituation der Menschen, die von ihrem sozialpolitischen Kahlschlag betroffen sind, auseinandersetzen. Sie erzeugt sonst neue Armut, statt sie zu beseitigen und neue Probleme, statt diese zu lösen.

Hier kann man eine Petition des Dachverbands der Beratungsstellen unterzeichnen, die sich gegen die Kürzungen bei den Familien- und Frauenberatungsstellen wendet.
https://www.openpetition.eu/at/petition/online/ruecknahme-der-budgetkuerzung-fuer-familienberatungsstellen-in-oesterreich

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