Über Gemeinsamkeiten und Befriedigung

Über meine neuen Erfahrungen erzähle ich hier ja immer wieder.
Interessant sind aber auch etliche Aussagen und Verhaltenweisen, die ich in meinem jetzigen Job beobachte und die mir aus meiner
politischen Tätigkeit nur zu gut bekannt sind. Zum Beispiel zum
KundInnen- bzw. WählerInnenverhalten :

DA: „Wenn Sie den Orangensaft der Firma xy nicht haben, dann komme ich nicht mehr zu Ihnen einkaufen.“
DORT: „Wenn ihr den Baumschnitt in unserem Ort nicht verhindert, wähle ich euch nicht mehr.“

DA: Menschen besetzen den Platz vor der Schinkenvitrine und sagen: „Ich schau nur.“
DORT: Mensch wollen nicht mitarbeiten und sagen: „Ich will euch nur meine Ideen sagen, was ihr tun müsstet.“

DA: Anordnung an der Feinkosttheke zum Wurstschneiden:
„Nicht zu dick und nicht zu dünn.“
DORT: Aufforderung zum richtigen politischen Verhalten:
„Sehr angriffig, aber kooperativ.“

DA: Es gibt geschätzte 50 verschiedene Fruchjoghurt-Sorten.
Aber die eine gesuchte fehlt ärgerlicherweise.
DORT: Es gibt 50 Stellungnahmen zu verschiedenen Themen
und Anlässen, aber die eine ersehnte fehlt ärgerlicherweise.

Aber auch:

DA: Ein gutes Team und ein angenehmes Betriebsklima lassen
einen gerne „in die Arbeit gehen“.
DORT: Ein gutes Team und ein angenehmes Betriebsklima lassen
einen gerne „in die Arbeit gehen“.

DA: Ich mache diese Arbeit gerne.
DORT: Ich mache diese Arbeit gerne.

Heute wurde ich übrigens von einer Kollegin gefragt: „Sag, befriedigt dich die politische Arbeit eigentlich? Ich könnte mir das für mich nicht vorstellen. Weißt, für mich ist es hier so: Wenn alles mit dem Nachbestellen und Einsortieren geklappt hat, wenn im Regal immer alles schön sichtbar und ordentlich liegt und wenn das Geschäft gut gelaufen ist, dann kann ich am Abend richtig zufrieden nach Hause gehen.“ Die Frage klingt vielleicht für manche oberflächlich, ist sie aber nicht. Ich empfehle sie allen wärmstens, nicht nur, aber auch den PolitikerInnen. „Befriedigt mich meine Arbeit eigentlich?“

„Befriedigt mich meine Arbeit eigentlich?“ könnten sich mal jene
fragen, die so gerne und mit etwas (intellektueller) Überheblichkeit, vielleicht aber auch einfach aus Gewohnheit Angestellten in Handel und Verkauf gegenüber ein mitleidiges und von einem Schulterklopfer begleitetes „Du hast wirklich einen harten Job, ich könnte das nicht“ aussprechen und die eigentlich meinen: „Ich finde deine Tätigkeit öd und unbefriedigend und mir tun alle leid, die es im Leben nicht weiter gebracht haben.“ Aber richtig ist wohl: Die könnten das in der Tat nicht und haben einen Tunnelblick, wenn es um die Frage geht, wie befriedigendes (Berufs-)Leben aussieht.

 

 

2 Gedanken zu „Über Gemeinsamkeiten und Befriedigung“

  1. Zum befriedigenden Berufsleben gehört halt auch ein befriedigendes Einkommen. Und befriedigende Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten? Vereinbarung mit Familie?) Wie sieht es damit im Handel und Verkauf aus? Was kann man hier verbessern und wie?
    Die Leute sind natürlich da wie dort gleich. Wieviel mehr verdienen die einen pro Stunde, wieviel mehr leisten sie tatsächlich? Sicher nicht so viel mehr.

    KundInnen und WählerInnen vergleichen ist eine witzige Idee! Was vielleicht auch gleich ist: die Parteien/Geschäfte sind abhängig von ihnen und richten sich letztenendes nach deren Vorgaben. Und dann sind da noch die Mogelpackungen… 😉

    1. Das Einkommen ist wirklich ein Hohn. Ich weiß auch mittlerweile, dass in diesen Berufssparten mehr Frauen gerne Vollzeitjobs hätten, aber nur Halbzeitjobs kriegen. Und ein obligater 12-Stunden-Arbeitstag wäre für viele in diesem Bereich ein gesundheitliches Risiko (anders, als in Jobs ohne solche massiven körperlichen Anstrengungen, in dene diejenigen sitzen, die darüber entscheiden.)

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