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Gedanken mit drei Pfannen im Auto

Gestern Nachmittag erwähnt Andrea, dass sie samstags noch eine Catering-Lieferung zu erledigen hätte. Es wäre ein Stress, weil gleichzeitig die Geburtstagsfeier eines Kindes im Wohnzimmer der Pannonischen Tafel wäre. Da bringe ich mich ins Spiel: „Das kann dann ich machen.“ Andrea ist gar nicht auf die Idee gekommen, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin für die Erfüllung dieser Aufgabe zu fragen, weil am Samstag Abend jede_r doch dem eigenem Privatleben nachgehen wolle.
So ist das eben mit den Ehrenamtlichen. Da gibt es keine geregelten Dienstzeiten, da ist man da, wenn man gebraucht wird.
Ehrenamtliche in den Vereinen und Organisationen, in den (Pfarr-)Gemeinden und in Hilfsorganisationen arbeiten nicht nur unentgeltlich, sie sind meist auch nicht pingelig, wenn es um persönlichen – auch finanziellen – Einsatz geht. Ehrenamtlichkeit ist nicht einfach arbeiten ohne Geld dafür zu bekommen, ist nicht einfach mal ein bisschen Freizeit zur Verfügung zu stellen. Ehrenamtlichkeit ist eine Haltung, eine Einstellung, sich selbstverständlicherweise für etwas einzusetzen, das einem wichtig ist. Ohne zu fragen, was man dafür bekommt.
Nun, ich bin zur Zeit in einer Lebenssituation, in der es keine großartige Geste ist, mal am Samstag Nachmittag eine Runde mit dem Auto zu drehen. Meine Kinder sind groß und kaum zu Hause, mein Freund hat Wochenenddienst, niemand wird mir vorwerfen, dass ich zu Hause fehle oder dass die Wäsche nicht gebügelt ist. (Letzteres stört eh bestenfalls mich selbst, und ich bin eigentlich froh, eine akzeptable Ausrede dafür zu haben, die öden Haushaltsarbeiten liegen gelassen zu haben. – Soweit zu einem nicht unwesentlichen persönlichen Benefit meiner ehrenamtlichen Arbeiten.) Meine echte Bewunderung haben jene Frauen und Männer, die nebst kleinen Kindern, Eltern, die darauf bestehen, das Sonntagsessen pünktlich um zwölf bei ihnen einzunehmen und einer Kiste voll Blumenzwiebel, die bei dem herrlichen Wetter eigentlich eingesetzt werden müssten mit einer Selbstverständlichkeit für andere unentgeltlich Kuchen backen, Brände löschen, Veranstaltungen organsieren oder Flüchtlinge betreuen.
All das geht mir durch den Kopf, als ich mit drei Pfannen voll Köstlichkeiten nach Schattendorf fahre. Dass ich erst lernen muss, wieviel Brennpaste in so einen Tiegel gehört, damit der Buchweizen-Gemüse-Auflauf im Wasserbehälter darüber auch warm bleibt und was ich mache, wenn das Ding einfach nicht brennen will, ist eine andere Geschichte …

Basics: Pannonische Tafel, erster Tag

Der Einstieg wäre geschafft. Bereits während der Pressekonferenz hatte ich den ersten Kunden im Laden zu bedienen. Was ist denn heute noch im Regal? Was wird sich mein Kunde wohl aussuchen? Es werden Schaumrollen, Brot, Sandwich, ein paar Orangen wegen der Vitamine. (Ich konnte es nicht lassen, diesen Vorschlag zu machen, da kommt wohl die versorgende Mutter zum Vorschein.) Da entdeckt er auch noch ein Glas Spargel. Welch eine interessante Kombination, man nimmt halt, was gerade da ist. Für einen „Einkauf“ muss man 2 Euro als „Tagesmitgliedschaft“ bezahlen. Das muss natürlich in das vorgesehene Kassabuch eingetragen werden. Hilfe! Was genau schreibe ich da hinein? Ich will mich ja nicht vor laufender Kamera blamieren. Andrea Roschek, die Leiterin, beruhigt mich, ich hätte alles richtig gemacht.
Beim Suppenessen lerne ich Zdenek kennen. Er ist aus der Slowakei und versucht, seine Familie über Wasser zu halten. Hier in Österreich hat er einen Onkel, der schwer krank ist und noch Geld braucht, um im Spital seinen Beitrag zum Aufenthalt zu bezahlen. Zdenek hat Arbeit in Wien in Aussicht, braucht dafür aber noch eine Arbeitsgenehmigung. Wir überlegen, wie wir ihn unterstützen können.
Ich lerne auch die siebenjährige Miruna aus Rumänien kennen. Ihre Mutter war Pflegerin in Österreich, dann bekam sie Krebs (in dieser Zeit hatte sie auch eine Nacht bei mir zu Hause verbracht) und ist verstorben. Der Vater ist schwer krank, nun kümmert sich Andrea um die Kinder.
Ich bin an einem Ort, wo Menschen und ihre Schicksale einander begegnen. Neben mir am Tisch sitzt ein ehrenamtlicher Helfer der Tafel, der als Journalist schon die halbe Welt und das ganze Burgenland kennen gelernt hat. Einen Tisch weiter sitzen zwei Gymnasiastinnen, die das erstemal in der Tafel sind, um sich hier ein Mittagessen zu holen, bevor sie miteinander Mathematik lernen.
Ich spüre, das hier sind die richtigen Basics für mein Lehrjahr, und ich bin froh, diese Möglichkeit zu haben.

Echtes Zupacken

Nächstes Jahr werde ich für den Landtag kandidieren. Nach meinem Verständnis sollten für Entscheidungen in der Politik die Lebenserfahrungen vieler verschiedener Bevölkerungs- und Berufsgruppen maßgeblich sein. Tatsache ist leider, dass einige Berufsgruppen in den Landtagen kaum vertreten sind, und auch ich kann nur einen Teil von Erfahrungen selbst machen. Diesen Teil will ich in meiner Vorbereitungszeit auf die Arbeit im Landtag ausbauen. Ich nenne daher mein „Lehrjahr“. Also habe ich meine bezahlte Arbeit als Geschäftsführerin der Grünen zurückgelegt und werde in den nächsten Monaten in den Arbeitsalltag verschiedener Berufsgruppen eintauchen –  mit allem, was dazu gehört: Arbeitszeiten, Verdienst (falls das überhaupt möglich ist, ansonsten ehrenamtlich), konkrete anfallende Tätigkeiten. Ich will nicht nur „auf Augenhöhe“ davon erzählt bekommen und für ein Foto vorbeikommen. Ich will es selbst tun, hingreifen, zupacken und es spüren, wie es ist an der Supermarktkassa, beim Regale Einschlichten, beim Schichtdienst in der Pflegearbeit, in der Arbeit mit Obdachlosen, in der Gastronomie…. Ich bin schon sehr neugierig, auch ein wenig angespannt, wie sich das finanziell bei mir ausgehen wird. Aber ich will’s einfach wissen.